Geschäftsberichte
Bilanzpolizei hält Regeln für zu kompliziert

Jedes Jahr findet die Deutsche Prüfstelle für Rechnungslegung viele Fehler in den Bilanzen deutscher Unternehmen. Der Präsident der Institution sieht dafür einen einfachen Grund: Die Vorschriften sind zu kompliziert.
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FrankfurtDie Bilanzpolizei DPR hält viele Fehler in den Geschäftsberichten deutscher Unternehmen für unvermeidlich. Der langjährige Präsident der Deutschen Prüfstelle für Rechnungslegung (DPR), Herbert Meyer, sagte in Frankfurt, die meisten seien auf die komplizierte Bilanzierung von Firmenübernahmen und -verkäufen zurückzuführen. Die Marktwerte, die die internationalen IFRS-Bilanzierungsvorschriften zugrunde legten, gebe es in den meisten Fällen nicht.

„Ein qualitativer Sprung wird nicht ohne eine Vereinfachung im Regelwerk gehen“, sagte der ehemalige Finanzvorstand von Heidelberger Druck. Am 1. Juli wurde er vom früheren Post-Finanzchef Edgar Ernst abgelöst. Im vergangenen Jahr waren 31 von 118 Bilanzen börsennotierter Firmen fehlerhaft, die die DPR unter die Lupe genommen hatten.

Und die Fehler werden nicht weniger: Die Quote von 26 Prozent lag im Schnitt der vier Jahre, in denen Meyer sein Amt bekleidete.

Sein Nachfolger will nun die Wirtschaftsprüfer stärker einbinden, die die fehlerhaften Bilanzen testiert hatten. „Ich empfinde diese Fehlerquote als außerordentlich hoch“, sagte Ernst. Während seiner Zeit bei der Post war auch sein Unternehmen ins Visier der Bilanzpolizei geraten.

Absichtliche Fehler seien den wenigsten Unternehmen zu unterstellen, sagte Meyer. Verdacht auf Bilanzmanipulation habe die DPR in seiner Amtszeit nur sechs- oder siebenmal gehegt. Firmen versuchten aber, die Bilanz auszureizen: „Wer hart am Wind segelt, kentert auch mal.“

Im vergangenen Jahr wies die DPR mehr MDax-Firmen als sonst Fehler nach. „Da hat sicher die Wirtschaftskrise mitgespielt“, sagte Meyer. Auch ein Unternehmen aus dem Dax haben die Prüfer im Visier. Einen Namen wollte Meyer noch nicht nennen, da das Verfahren noch nicht abgeschlossen sei.

Zuvor hatte es unter den 30 größten börsennotierten Firmen bereits Infineon und Merck getroffen. Das Pharmaunternehmen hatte in der Krise eine Prognose verweigert. Firmen aus Dax, MDax oder SDax müssen im Schnitt alle vier bis fünf Jahre mit einem Besuch der Bilanzpolizei rechnen, kleinere Unternehmen alle acht bis zehn Jahre.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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