Gescheiterte Elektrostrategie
Plug-in-Hybride werden zum Ladenhüter

Der halbelektrische Antrieb soll zum Türöffner für die Elektromobilität in Deutschland werden. Doch bisher enttäuschen die Plug-in-Hybriden die Erwartungen. Das sei eine Gefahr für den Standort, warnen Experten.
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Düsseldorf„Wir sind überzeugt“, rief VW-Chef Martin Winterkorn seinen Anlegern entgegen. „Der Plug-in-Hybrid ist die klare Nummer 1 in Sachen alternative Antriebe. Und zwar nicht in ferner Zukunft, sondern jetzt." Es war das Jahr 2013 als der VW-Konzernchef auf der Hauptversammlung eine Offensive ankündigte:  Ein großer Teil des milliardenschweren Forschungsetats solle in die Elektrifizierung der eigenen Flotte investiert werden, hieß es damals. 14 Elektro- und Hybrid-Modelle  sollten bis 2014 in Serie gebracht werden, 40 weitere könnten folgen.

Zwei Jahre später hat Winterkorn seine Ankündigungen wahr gemacht. Neben Sportwagen wie dem Porsche 918 Spyder bietet VW mittlerweile auch Bestseller wie den Golf oder den Audi A3 mit halbelektrischem Antrieb an. Doch auf dem Heimatmarkt ist die Offensive des Marktführers nahezu wirkungslos verpufft. Deutschlandweit wurden im April gerade einmal 1.000 Fahrzeuge mit Plug-in-Hybrid verkauft, zeigt eine Studie des CAR-Instituts der Uni Duisburg-Essen. Die Verkäufe im Vergleich zum Vormonat sind damit noch einmal um ein Fünftel gesunken.

Obwohl mittlerweile 14 Plug-In Modellreihen von Serienherstellern im deutschen Markt angeboten werden, beträgt ihr Anteil an den Baureihen branchenübergreifend im Schnitt gerade einmal 2,8 Prozent. Die Plug-in-Hybriden werden zum Ladenhüter. VW ist damit längst nicht alleine. Selbst Toyota konnte in Deutschland im April gerade mal 15 Exemplare des Prius mit Plug-in-Antrieb verkaufen. Für den selbsternannten Hybrid-Pionier ist das eine maue Quote. Und auch Daimler verkauft die Mercedes S-Klasse in Deutschland nur selten mit elektrischem Herzen.

Dabei sollten die Plug-in-Hybriden eigentlich zum Türöffner für die Elektromobilität werden. Ohne die Angst vor niedriger Reichweite oder fehlenden Ladesäulen fahren die Plug-in-Hybriden auf kurzer Strecke ohne Benzin und emissionsfrei. Doch wirtschaftlich fahren sie damit längst nicht.

Das liegt vor allem an den hohen Aufschlägen für den alternativen Antrieb. Für den Golf GTE verlangt Volkswagen beispielsweise satte 36.900 Euro, einen Einstiegs-Golf konventionellem Antrieb gibt es bereits für 17.650 Euro. Eine Preisdifferenz, die durch den geringeren Spritverbrauch nicht zu kompensieren ist.

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  • @Herr Vogels:

    "Das Erdöl ist eine nutzlose Absonderung der Erde – eine klebrige Flüssigkeit, die stinkt und in keiner Weise verwendet werden kann.

    © Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg (1806)"

    Legen Sie sich wieder hin Herr Vogels, wenn Sie bei einem dt. Autohersteller eine überdimensional bezahlte Festanstellung haben können sie noch gut und gerne 8 Jahre ruhen...

  • Elektromobile sind einfach noch viel zu teuer! Kein Hersteller verdient Geld, sondern alle müssen drauflegen. TESLA macht mehr als 15000€ pro Fahrzeug Verlust. Jeder rational handelnde Bürger würde dieser Firma keinen müden Cent mehr leihen.

  • Kumpel von mir kam neulich mit seinem Tesla S vorbei. 385-Elektro PS. Bei der Probefahrt bekam ich das Grinsen nicht mehr von den Backen. Das Ding ist der absolute Hammer. Beschleunigung wie im Schlepptau eines Jumbo-Jet. Riesen Fun-Faktor.

    450km Reichweite bei normaler Fahrt, 30-45min tanken an der Tesla Power-Tankstelle (lebenslang kostenlos) 12Std. an einer Starkstromdose (wie beim E-Herd), 24 Stunden an der normalen Steckdose. 8 Jahre volle Garantie incl. Akku

    Wer braucht diesen komplizierten Hybrid-Quatsch?

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