Geschworene unentschlossen
Vioxx-Prozess in den USA ist geplatzt

Der erste Vioxx-Prozess auf Bundesebene in den USA wird neu aufgerollt. Der verklagte US-Pharmakonzern Merck & Co zeigt sich ungebrochen kampfeslustig, schließlich geht es um Milliarden Dollar.

HB HOUSTON. Die Entscheidung fällte ein Gericht am Montag in Houston, nachdem sich die Geschworenen auch nach mehreren Tagen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Richter Eldon Fallon teilte mit, er werde mit den beteiligten Anwälten in den kommenden Tagen sprechen, um einen Termin für einen neuen Prozess zu finden. Die Anwälte des US-Konzerns streben nach eigenen Worten dafür den Februar an.

Die neun Geschworenen in dem Verfahren berieten seit Donnerstag. Sie mussten entscheiden, ob das Arthritis-Medikament Vioxx zum Tod eines Mannes aus Florida beigetragen hat. Dabei ging es um den Herztod des 53-jährigen Richard Irvin, der im Jahr 2001 starb. Zu diesem Zeitpunkt nahm er Vioxx seit weniger als einem Monat ein.

„Falls ein Wiederaufnahmeverfahren angesetzt wird, kommen wir mit den selben Fakten zurück“, erklärte der Anwalt des Konzerns, Kenneth Frazier, in einer Mitteilung. Auf einer Analysten-Konferenz sagte er, im kommenden Jahr seien noch zahlreiche weitere Gerichtsverfahren wegen Vioxx zu erwarten. Merck & Co werde diese Fälle einen nach dem anderen abarbeiten. „Wir werden uns energisch verteidigen, ungeachtet der Kosten.“

Merck & Co hatte Vioxx im September 2004 vom Markt genommen, nachdem eine Studie ein erhöhtes Risiko von Herzproblemen durch das Medikament aufgedeckt hatte. Im ersten Prozess um das Medikament überhaupt hatte im August ein Gericht in Texas dem Konzern eine Mitschuld am Tod eines Mannes gegeben. Der US-Konzern hatte Berufung gegen die Entscheidung angekündigt. Im Falle des Todes eines anderen Mannes hatte ein zweites Gericht in New Jersey den Konzern dagegen freigesprochen.

Der US-Konzern sieht sich inzwischen mit mehr als 7000 Klagen wegen Vioxx konfrontiert. Die Kläger argumentieren, dass Merck über Jahre hinweg nicht ausreichend auf die möglichen Herzkreislauf-Risiken hingewiesen habe. Analysten zufolge könnten auf Merck für die Anwalts- und Gerichtskosten mehrere Mrd. Dollar an Aufwendungen zukommen. Zudem fiel mit dem Rückzug von Vioxx ein Blockbuster weg. Im Jahre 2004 machte Merck mit dem Medikament mehr als 2,5 Mrd. Dollar Umsatz.

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