Gesegneter Genuss
Deutsche Lebensmittelkonzerne umwerben Muslime

Kann Genuss den Sünde sein? Das ist nicht nur eine ethische Frage - sondern auch eine des Geschäfts. Denn die religiöse Überzeugung der drei Millionen Muslime in Deutschland bietet den deutschen Lebensmittelkonzernen einen attraktiven Markt.

DÜSSELDORF. In Sure 5 Vers 3 des Korans wird der Fleischeslust der Garaus gemacht. "Verboten", steht da, "ist Euch der Genuss von Verendetem, Blut, Schweinfleisch und allem, worüber ein anderer Name als Allahs angerufen wurde." Das heißt auf arabisch "haram" und übersetzt: Pizza tabu, Bratwurst tabu, Gummibärchen tabu, weil sie Schweinegelantine enthalten. Aber wie schon Adam und Eva nicht vom Apfel, können auch die meisten deutschen Muslime nicht von der Pizza lassen. Kann Genuss den Sünde sein?

Das ist nicht nur eine ethische Frage - sondern auch eine des Geschäfts. Denn die religiöse Überzeugung der drei Millionen Muslime in Deutschland bietet den deutschen Lebensmittelkonzernen einen attraktiven Markt. "Halal" lautet das Stichwort - Lebensmittel, die im Sinne des Korans als unbedenklich gelten. Lange fehlte ein solches Angebot im Supermarkt. Das soll sich nun ändern.

Immer mehr internationale Lebensmittelkonzerne - ob Schokoladen- oder Suppenwürfel-Hersteller, Supermarktketten oder Keksfabriken - entdecken, dass mit Halal ein Riesengeschäft zu machen ist. Allein bei Nestlé sind von weltweit 456 Unternehmenstöchtern mittlerweile 75 Halal-zertifiziert. Die Schweizer verdienen mit Koran-konformer Ware schon mehr als mit Bio-Produkten. Die französische Einzelhandelskette Casino pflegt seit vergangenem Sommer eine Halal-Internetseite mit dem Namen Wassila. Boots, eine britische Drogeriekette, betreibt einen Versuch mit Halal-Babynahrung in 30 Filialen. Auch Fastfood-Ketten sind auf den Zug gehüpft. Mc Donald?s etwa machte mit Halal-Burgern in Malaysia innerhalb kürzester Zeit 30 Prozent mehr Umsatz.

"Wir sehen einen Megatrend darin, Produkte auf einzelne ethnische Gruppen zu zu schneiden", bestätigt Chehab Wahby, Partner bei der Unternehmensberatung OC&C. Das World Halal Forum schätzt den Umsatz mit islamkonformen Lebensmitteln für das laufende Jahr auf weltweit 634 Mrd. Euro - nach 580 Mrd. in 2005. Auch die Kölner Lebensmittelmesse Anuga widmet Halal in diesem Jahr einen eigenen Schwerpunkt. Für rund ein Drittel der 6 000 Aussteller wird das auf dem Messestand Thema sein.

Das Geschäft im Namen des Propheten birgt allerdings auch Fallstricke. Wurst, die als halal zertifiziert werden soll, darf weder Schwein, noch Blut noch Ethanol, also Trinkalkohol, enthalten.

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