Gespräch mit dem Bilfinger-Chef
Bilfinger bleibt Baukonzern

Trotz Neuausrichtung des Bilfinger-Berger-Gruppe betont Vorstands-Chef Herbert Bodner die weitere Bedeutung des Bau-Geschäfts für den Konzern. Daran soll die Entwicklung zu einer Multi-Service-Gruppe auch nichts ändern. „Wir haben nicht vor, in Zukunft kein Baukonzern mehr zu sein“, sagte Bodner in einem Gespräch mit der Duetschen Presse-Agentur.

HB MANNHEIM. Mit dem Ausbau der Dienstleistungssparte solle ein gleichstarkes Standbein heranwachsen, um unabhängiger von den Zyklen der Baubranche zu werden. „An eine echte Unternehmenstransformation nach dem Modell 'Preussag wird zu Touristik Tui' ist nicht gedacht.“ Die Dienstleistungen sollen vielmehr als Türöffner für den Baubereich dienen.

In der Baubranche sieht Bodner zwar ein Ende der Talsohle in Sicht. An einen steilen Aufschwung sei danach in Deutschland jedoch nicht zu denken. „Es wird eher eine Seitwärtsbewegung geben“, sagte der Vorsitzende. Die Entwicklung in der Baubranche sei praktisch wieder auf dem Niveau von Ende der 80er Jahre. Inzwischen sei der Schrumpfungsprozess beim Bau in West- und Ostdeutschland auf gleichem Niveau.

Bodner sprach sich für die Einführung einer Pkw-Maut auf deutschen Straßen aus. Das Thema habe zwar noch keine große Akzeptanz. Um die Probleme auf den Straßen bei der anstehenden EU-Osterweiterung mit einer großen Zunahmen des Güter- und Personenverkehrs in den Griff zu bekommen, müssten in Zukunft aber andere Finanzquellen für den Straßenbau erschlossen werden.

Nach Einschätzung Bodners kann das „psychologische Problem“ gelöst werden, wenn den Autofahrern der Wert dieser „Nutzfinanzierung“ näher gebracht werde, da die Mittel der Maut direkt in die Verkehrsnutzung fließen würden. „Dass die Pkw-Maut kommt, davon bin ich überzeugt“, betonte er. Als gutes Beispiel für das Modell nannte Bodner den privat finanzierten Alb-Aufstieg der A8 zwischen Stuttgart und Karlsruhe, an dem Bilfinger Berger beteiligt ist. Dieser soll auf acht Kilometern bis 2012 sechsspurig ausgebaut werden.

Das Mannheimer Unternehmen hat bislang rund 100 Mill. € in seine privat finanzierten Betreiberprojekte investiert. Zum Ertrag tragen die Projekte im Inlandsgeschäft nach Bodners Worten noch nicht bei. Mit einem „Einnahmestrom“ werde erst in etwa fünf Jahren zu rechnen sein. Bislang ist Bilfinger Berger damit vorwiegend in Australien und Großbritannien aktiv.

Bodner kündigte Zukäufe im Bereich Bau Ausland sowie bei den Dienstleistungen an. „Wir arbeiten an einer Reihe von Abschlüssen, die in unseren Mix passen“, sagte Bodner. Die Zukäufe würden aber nicht für eine Stärkung des operativen Geschäftes erfolgen. Vielmehr solle ein schnellstmöglicher Zuwachs beim Nettoergebnis erreicht werden. In Deutschland werde Bilfinger Berger im Baubereich nicht aktiv werden. Der Vorstandschef betonte: „Wir planen nicht, einen größeren deutschen Baukonzern zu kaufen."

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