Gespräch mit Vorstands-Chef Samuelsson
MAN hat große Pläne

Der MAN-Konzern will wachsen. Ein Kaufkandidat ist weiterhin der Motorenbauer MTU. Das MAN nach dem Ausstieg des Großaktionärs Regina selbst Ziel einer Übernahme werden könnte, befürchtet Vorstands-Chef Hakan Samuelsson nicht.

HB BERLIN. „Wir werden uns in Zukunft auf unsere fünf Kernbereiche konzentrieren“, sagte Samuelsson bei einem Pressegespräch in Berlin, das für Mittwoch zur Veröffentlichung freigegeben wurde. Bei Nutzfahrzeugen setze MAN auf internes Wachstum, aber auch auf strategische Partnerschaften bei einzelnen Komponenten.

Im Dieselmotorenbau habe MAN weiter grundsätzliches Interesse an MTU Friedrichshafen. „Wir untersuchen, ob das etwas für uns wäre. Es gibt aber noch Hunderte von Fragezeichen“, schränkte Samuelsson ein. Auch bei Turbomaschinen seien Übernahmen möglich, jedoch nichts Spektakuläres.

Im ersten Quartal habe MAN sein Ergebnis verbessert. Auch im Gesamtjahr werde es deutlich wachsen, sagte Samuelsson. Der Auftragseingang sei erheblich gestiegen, was auf Großaufträge zurückgehe. Aber auch ohne die Mega-Orders bleibe ein Zuwachs.

Die Frage, ob nach dem Ausstieg des Großaktionärs Regina für MAN die Gefahr einer Übernahme größer geworden sei, beantwortete Samuelsson im Club Berliner Wirtschaftsjournalisten mit „Nein“. Für den Vorstand habe sich kaum etwas geändert. Über die Regina waren über Jahrzehnte die Allianz, die Münchener Rück und die Commerzbank mit rund 25 Prozent an dem Nutzfahrzeug- und Maschinenbaukonzern beteiligt.

Als wichtigste Aufgaben für die nahe Zukunft bezeichnete Samuelsson die Verbesserung der Kostenstruktur in der Lkw- und Bus-Sparte und die Rückführung des Bogendruckgeschäfts in die schwarzen Zahlen.

Ein Zusammengehen des Nutzfahrzeugbereichs mit Samuelssons früherem Arbeitgeber Scania sei für den Vorstand kein Thema. MAN hätte daran kein Interesse. Allerdings habe MAN Nutz bei der Rendite Nachholbedarf gegenüber der internationalen Konkurrenz. Chancen sieht Samuelsson für die Lkw-Sparte im Zuge der Diskussion um Feinstaub-Emissionen von Dieselfahrzeugen. MAN hat mit einem Zulieferer einen Partikelfilter-Lösung entwickelt, mit der nach Unternehmensangaben im Laufe dieses Jahres fast alle Lkw-Typen von MAN nachgerüstet werden können. Damit sei MAN der erste Nutzfahrzeughersteller, der über eine entsprechende Technologie verfüge. Der Filter erfülle bereits die künftige Euro-4-Norm.

Über den Standort des geplanten Nutzfahrzeug-Werkes in Osteuropa - im Gespräch sind Polen, Ungarn und die Slowakei - sei noch keine Entscheidung getroffen, sagte Samuelsson. „Das ist noch offen.“ Eine Entscheidung solle innerhalb eines Monats getroffen werden können. Es gehe dabei vor allem um die Nähe zu den osteuropäischen Märkten. Eine Produktion in Russland stehe nicht an.

Für die Verhandlungen mit der Gewerkschaft über längere Arbeitszeiten in Teilen des Konzerns schloss Samuelsson einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen für einige Zeit nicht aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%