Gespräche mit in- und ausländischen Brauereigruppen
Auch Holsten geht auf Partnersuche

Die Holsten Brauerei steht zum Verkauf. Nach Zustimmung des Hauptaktionärs Christian Eisenbeiss beginnt der Vorstand, Gespräche mit in- und ausländischen Brauereigruppen zu führen. Das teilte Holsten-Chef Andreas Rost mit. Holsten ist mit einem Bierausstoß von rund 11 Mill. Hektolitern nach Interbrew Deutschland die zweitgrößte deutsche Braugruppe.

HAMBURG/DÜSSELDORF. Der Vorstand lässt sich von der Investmentbank Lehman Brothers beraten und hofft, die Gespräche mit Investoren noch in diesem Jahr abzuschließen. „Die Konsequenz wird sein, dass der bisherige Hauptaktionär seinen kontrollierenden Einfluss aufgeben muss“, sagte Rost. Eisenbeiss hält 48,4 % der Anteile an der Hamburger Brauerei. Die Holsten-Aktien schnellten bis zum Nachmittag um mehr als 15 % auf fast 40 Euro nach oben. Bisher wollte Holsten (Marken: Astra, Licher, Luebzer, König) stets im Alleingang eine führende Position auf dem deutschen Biermarkt erringen. Inzwischen ist bei dem Unternehmen aber die Einsicht gewachsen, dass Holsten eine Spitzenposition aus eigener Kraft nicht erreichen kann. Geplant war eine Steigerung des Marktanteils in Deutschland von derzeit zehn auf mehr als 20 %.

Die neue Einschätzung rührt auch aus der Schwäche des Unternehmens. Holsten ist stärker als andere Braugruppen vom Einbruch des Einweggeschäfts getroffen und hat im Jahresverlauf gut 23 % des Absatzes im Inland verloren.Dass dies auch auf den Kaufpreis von Holsten ausstrahlen wird, weiß Rost: „Einen Preis zu erzielen, wie ihn Dieter Ammer für Beck’s ausgehandelt hat ist eher unwahrscheinlich.“ Ammer hatte die Bremer Brauerei Beck & Co für 1,7 Mrd. Euro an die belgische Interbrew veräußert. Dies sei ein „exorbitanter Ausreißer“ gewesen, sagt Rost. „Wir brauchen einen starken Partner“, umreißt Rost sein Verhandlungsziel, „ mit dem wir in der Lage sind, künftig weitere Akquisitionen zu tätigen.“

Neben der Dortmunder Brau und Brunnen AG steht mit Holsten nun eine weitere große deutsche Braugruppe zum Verkauf. Großes Interesse an der Übernahme von Brau und Brunnen hat bereits die zum Bielefelder Oetker-Konzern gehörende Radeberger-Gruppe geäußert.

Ein gleichzeitiges Interesse an der Holsten-Gruppe dementierte gestern Radeberger-Sprecher Stefan Leppin auf Anfrage nicht. In jedem verkaufswilligen deutschen Brauhaus sehe die Radeberger-Gruppe (Marken: Binding, Henninger, Clausthaler, DAB) „einen möglichen Ansprechpartner“, erläuterte Leppin.

Als aussichtsreiche Kandidaten für eine Übernahme von Brau und Brunnen werden angelsächsische Brauhäuser wie Scottish & Newcastle und SAB/Miller gehandelt. Aber auch Interbrew und der niederländische Braugigant Heineken würden gerne einen Blick in die Bilanzen von Brau und Brunnen oder Holsten werfen, obwohl sie sich in Deutschland bereits eingekauft haben.

Mittelständische Brauhäuser wie die sauerländische Brauerei C&A Veltins haben trotz Absatzeinbußen von mehr als 4 % die Lust auf das Geschäft noch nicht verloren. „Die Inhaberin hat keine Intentionen, die Brauerei Veltins zu veräußern“, sagte Veltins-Geschäftsführer Volker Kuhl vor Journalisten in Schmallenberg. Trotz der „dramatischen Situation der Branche“ werde Veltins auch 2003 keine Ertragseinbußen verzeichnen, bestätigte der Veltins Generalbevollmächtigte Michael Huber. Mit Sorge blicken die Grevensteiner aber ins benachbarte Warstein, wo die Warsteiner Brauerei im ersten Halbjahr ein Absatzminus von 12,7 % eingefahren hat.

Die Instabilität eines weiteren Mitbewerbers könnte, so die Befürchtung im Hause Veltins, auf weitere traditionsreiche Brauhäuser ausstrahlen. Auf der Sonnenseite befindet sich hingegen ein weiterer Veltins-Nachbar, die Krombacher Brauerei, die von ihrer Mehrweg- Ausrichtung profitieren konnte, und im ersten Halbjahr ein Absatzplus von 7,4 % erreichte.

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