Gespräche über Aufsichtsratssitz
Kerkorian dringt auf Mitsprache bei GM

Der angeschlagene US-Autokonzern General Motors verhandelt mit dem US-Investor Kirk Kerkorian über einen Sitz im Aufsichtsrat. Der US-Autokonzern bestätigte gestern Gespräche mit Kerkorians Investmentgesellschaft Tracinda. Der 88-jährige Milliardär kontrolliert über Tracinda inzwischen 9,9 Prozent der Stammaktien von General Motors (GM) und ist damit der drittgrößte Aktionär. Weil der Kurs in den vergangenen Wochen eingebrochen ist, haben Kerkorians Anteile mehrere hundert Millionen Dollar an Wert verloren.

HB PORTLAND/FRANKFURT. Insider gehen davon aus, dass Kerkorian seinen langjährigen Vertrauten Jerome York in das Aufsichtsgremium entsenden will, um mehr Druck auf das Management von GM und Konzernchef Rick Wagoner ausüben zu können. York erwarb sich als Finanzchef bei der Sanierung von IBM und von Chrysler einen Ruf als Kostensenker. Allein die Möglichkeit, dass er in den Aufsichtsrat einziehen könnte, ließ den Kurs der GM-Aktien um mehrere Prozent steigen. York hätte gute Gründe, dem Management Beine zu machen: An jedem Gewinn, den Kerkorian mit seiner Investition macht, ist er mit vier Prozent beteiligt.

Im Juni hatte Kerkorian mit seinem Einstieg bei GM Furore gemacht. Sein öffentliches Angebot von 31 Dollar pro Aktie ließ den Kurs zeitweilig auf über 37 Dollar steigen. Tracinda erwarb seinerzeit knapp 19 Milliarden Anteile und stockte die Beteiligung später für insgesamt 1,68 Mrd. Dollar auf. Im Schnitt zahlte Kerkorians Firma 30 Dollar für Aktien, die selbst nach dem jüngsten Aufschwung nur mit gut 23 Dollar notiert werden. Würde GM den Weg in die Insolvenz wählen – was von Wagoner energisch ausgeschlossen wird –, könnte Kerkorians gesamte Investition wertlos werden.

Dass der erfolgreiche Milliardär wenig Geduld mit zaghaften Managern sanierungsbedürftiger Firmen hat, bewies er Mitte der neunziger Jahre bei Chrysler. Er kaufte damals rund 14 Prozent der Anteile als passiver Investor, begann aber bald, Druck auszuüben. Zusammen mit York und dem ehemaligen Chrysler-Boss Lee Iacocca versuchte er eine feindliche Übernahme. Sie scheiterte, aber der Burgfrieden mit dem damaligen Management unter Bob Eaton und die Übernahme durch Daimler-Benz brachten ihm einen Milliardengewinn.

General Motors, der größte Autokonzern der Welt, verlor auf seinem Heimatmarkt in diesem Jahr bereits rund vier Mrd. Dollar. Das Management versäumte, in guten Zeiten die Werke zu modernisieren und das Produktangebot aufzufrischen. Überkapazitäten und höhere Material- und Sozialkosten ließen die Verluste explodieren. Die Einigung mit der Gewerkschaft über eine jährliche Nettoentlastung von einer Milliarde Dollar bei den Gesundheitskosten und die Pläne, bis 2008 rund 30 000 Arbeitsplätze abzubauen und zwölf Betriebsstellen zu schließen, bewegten den GM-Kurs weniger als die Möglichkeit, dass ein Kerkorian-Mann in den Aufsichtsrat einziehen könnte.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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