Gespräche über Pressteilewerk
Thyssen-Krupp und Opel kommen nicht voran

Der Bochumer Autozulieferer Thyssen-Krupp Automotive verhandelt nach wie vor mit Opel über den Kauf des Pressteile-Werks in Kaiserslautern. Die Gespräche sind nach Angaben von Thyssen-Krupp-Automotive-Chef Jürgen Harnisch jedoch ins Stocken geraten.

HB STUTTGART. „Wir haben einige Stolpersteine, über die wir einfach nicht wegkommen. Die Gespräche sind in einer schwierigen Phase“, sagte Harnisch am Donnerstagabend vor dem Wirtschaftspresse-Club in Stuttgart. Differenzen gebe es insbesondere über den Wert der Anlagen in der pfälzischen Stadt und über die Sozialleistungen. Dabei könne Thyssen-Krupp das Werk mit Hilfe bereits vorliegender Aufträgen anderer Auto-Hersteller besser auslasten als bisher. „Dafür müssten wir sonst anderswo investieren“, sagte Harnisch.

Die Entscheidung über die komplette Übernahme des finnischen Autobauers Valmet steht nach den Worten Harnischs kurz bevor. „Wir sind schon auf der Zielgeraden. Aber das ist völlig offen“, sagte er. Das unterausgelastete Werk von Valmet, wo der Porsche Boxster montiert wird, brauche dringend „mindestens einen weiteren Auftrag“, forderte Harnisch. Der sei aber nicht in Sicht. Thyssen-Krupp, das vor eineinhalb Jahren mit zehn Prozent bei Valmet eingestiegen war, hat bis Ende dieses Jahres die Option, die übrigen 90 % zu einem fest gelegten Preis zu übernehmen oder den Anteil wieder zurückzugeben. Trotz der festen Vereinbarung versucht Thyssen-Krupp offenbar den Preis zu drücken: „Das ist alles eine Frage des Preises“, sagte er. Am engen Zeitplan sollte die Transaktion nicht scheitern, deutete der Vorstandschef an.

Thyssen-Krupp Automotive hatte im Oktober nach langwierigen Verhandlungen 60 % der Lenkungs-Sparte von Mercedes-Benz (MB Lenkungen) übernommen. Die restlichen 40 % sollen binnen zwei Jahren an Thyssen-Krupp übergehen. Mit dem eigenen Lenksäulen-Hersteller Presta sei Thyssen-Krupp damit zum Komplett-Anbieter von Lenksystemen avanciert. Der Umsatz in dem Bereich solle innerhalb von drei bis vier Jahren auf rund eine Milliarde Euro ausgebaut werden, kündigte Harnisch an. MB Lenk setzte zuletzt 300 Mill. € um, Presta 400 Mill. €. Auch hier will Thyssen-Krupp andere Kunden aus der Autoindustrie neben DaimlerChrysler finden.

Mit mehr als sechs Mrd. € Umsatz ist die Sparte von Thyssen-Krupp nach eigenen Berechnungen die Nummer neun unter den Autozulieferern. Der Umsatz soll durch Zukäufe in absehbarer Zeit auf zehn Mrd. € ausgebaut werden. Der asiatische Markt, vor allem China und Südkorea, stehe im Mittelpunkt der Bemühungen. Harnisch warnte jedoch davor, dass angesichts der China-Euphorie der Hersteller dort - ähnlich wie in Brasilien in den 1990er Jahren - Überkapazitäten entstehen könnten. „Das wird ein schönes Gedränge“, sagte er.

An deutschen Zulieferern sei Thyssen-Krupp Automotive nicht interessiert. Der Anteil der Zulieferer an der Wertschöpfung eines Autos werde noch steigen, zeigte sich Harnisch überzeugt. Derzeit leisten die Autohersteller selbst noch etwa 40 % Eigenfertigung. „20 % sind aber die untere Grenze“, sagte der Automotive-Manager.

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