Gesunde Bilanzen
Deutsche Konzerne federn Krisenfolgen ab

Deutschlands Konzerne arbeiten so rentabel wie noch nie. Die 100 größten Industrie-, Handels- und Dienstleistungsunternehmen steigerten ihre durchschnittliche Umsatzrendite im vergangenen Jahr von 4,4 Prozent auf den neuen historischen Rekordwert von 5,4 Prozent. Warum Experten die Konzerne bestens für den drohenden Konjunkturabschwung gerüstet sehen.

DÜSSELDORF. Sie gehen mit gesunden Bilanzen und schlanken Strukturen in den drohenden Konjunkturabschwung, den viele Ökonomen nach der Finanzkrise der letzten Monate für den weiteren Jahresverlauf erwarten. "Anders als in früheren Boomphasen haben die Unternehmen diesmal nicht aufgehört, ihre Kosten zu senken", sagt Thomas Kautzsch von der Unternehmensberatung Oliver Wyman: "Deshalb werden die Konzerne einen möglichen Abschwung diesmal besser meistern als früher."

Insgesamt steigerten die 100 Topunternehmen im abgelaufenen Jahr ihren Nettogewinn um durchschnittlich 17 Prozent. Bei weitgehend stagnierenden Umsätzen erhöhten sich deshalb die Margen kräftig. Das zeigen die neusten Zahlen des Handelsblatt-Firmenchecks, der in Zusammenarbeit mit dem Institut für Wirtschaftsprüfung (IWP) und der Unternehmensberatung Oliver Wyman entsteht. Im Vergleich zu kleineren Börsenwerten steigerten die Dax-30-Konzerne ihre Gewinne und Renditen überdurchschnittlich. Industrietanker wie Volkswagen, Daimler und BASF, die vor einigen Jahren noch margenschwach waren, drangen weit nach vorn. Beim Energieriesen Eon blieben unter dem Strich sogar 10,76 Euro pro 100 Euro Umsatz hängen - mehr als bei den europäischen Wettbewerbern wie Frankreichs EdF und Italiens Enel.

"Enorm gestiegene Renditen und eine hohe Eigenkapitalbasis bieten eine hervorragende Ausgangsposition für einen drohenden Konjunkturabschwung", sagt der Bilanzexperte und IWP-Direktor Karlheinz Küting. Geschäftseinbrüche wie noch im Krisenjahr 2001 seien in der deutschen Industrie, anders als bei Banken und Versicherungen, nicht zu erwarten. Nach dem Platzen der Technologieblase und den Terroranschlägen vom 11. September 2001 waren die Gewinne und Renditen der Dax-Konzerne um die Hälfte eingebrochen.

Die deutschen Börsen spiegeln die veränderte Lage wider: Zwar fielen die Kurse seit Jahresbeginn zunächst im Gefolge der US-Finanzkrise kräftig. Doch jetzt präsentieren sich die Aktienmärkte in Deutschland mit Blick auf das Gesamtjahr 2008 bereits wieder robuster als zunächst erwartet. Der Grund dafür liegt in der soliden Gewinnentwicklung der Konzerne: 15 der Dax-30-Konzerne, die bis Mitte letzter Woche ihre Bilanz des 1. Quartals 2008 vorlegten, erfüllten oder übertrafen die Gewinnerwartungen der Finanzexperten. Lediglich der Softwareriese SAP enttäuschte gemeinsam mit den gebeutelten Finanzdienstleistern. Bei Siemens brach zwar der Quartalsgewinn um zwei Drittel ein. Doch der Mischkonzern zieht erneut die Kostenschraube an und hält deshalb an seinen ambitionierten Renditezielen fest.

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