Gesundheitsindustrie
Milliardenstrafen für Pharmabranche

Fehlgriffe in Forschung und Vertrieb werden für die Arzneimittelhersteller immer teurer. Die juristischen Folgen belasten die Konzerne schwer. Am härtesten getroffen von Strafverfahren und Zivilklagen ist der britische Pharmakonzern Glaxo-Smithkline.

FRANKFURT. Der Aufwand für Strafverfahren und Schadensersatzforderungen im Arzneimittelbereich dürfte im vergangenen Jahr einen neuen Rekordwert erreicht haben. Alleine die zehn führenden Pharmahersteller verbuchten nach Berechnungen des Handelsblatts 2010 entsprechende Belastungen von zusammen mehr als acht Milliarden Dollar - nach mehr als drei Milliarden Dollar im Vorjahr. Das entspricht im Schnitt etwa sechs bis sieben Prozent der Vorsteuergewinne. Allerdings sind die Kosten sehr ungleich verteilt.

Die mit Abstand größte Einbuße hat 2010 der britische Pharmakonzern Glaxo-Smithkline (GSK) zu verdauen. Er kündigte jüngst zusätzliche Rückstellungen von 3,4 Milliarden Dollar für Strafverfahren und Zivilklagen im Zusammenhang mit seinem Diabetesmittel Avandia an, das er im vergangenen Jahr wegen Herzinfarktrisiken vom Markt nehmen musste. Zusammen mit Rückstellungen, die GSK bereits im ersten Halbjahr für Avandia und andere Streitfälle verbuchte, addieren sich damit die Rechtskosten im vergangenen Jahr auf mehr als sechs Milliarden Dollar. Der Nettogewinn des Konzerns wird damit 2010 erheblich niedriger ausfallen als im Vorjahr.

Bei Merck & Co. belasten entsprechende Positionen die Gewinnrechnung 2010 mit mehr als einer Milliarde Dollar. Die Nummer zwei der Pharmabranche musste zusätzliche Rückstellungen für Schadensersatzforderungen im Zusammenhang mit ihrem Schmerzmittel Vioxx bilden, das bereits 2004 vom Markt verbannt wurde. Zusammen mit früheren Rückstellungen hat das Mittel den Konzern inzwischen rund sechs Milliarden Dollar gekostet. Es ist damit der zweitteuerste Schadensersatzfall in der Pharmabranche nach dem Schlankheitsmittel Phen-fen, für das der US-Konzern Wyeth im vergangenen Jahrzehnt insgesamt mehr als 21 Milliarden Dollar an Schadensersatzzahlungen aufbringen musste.

Auch deutsche Konzerne betroffen.

Dreistellige Millionensummen für Rechtsstreitigkeiten und Schadensersatz fallen 2010 bei Astra-Zeneca, Novartis und Pfizer an. Auch bei Firmen in der zweiten Reihe, darunter führende deutsche Pharmahersteller, hinterlassen juristische Auseinandersetzungen Spuren in der Bilanz. Bayer zum Beispiel hat für die ersten drei Quartale 2010 Sonderaufwand für "Rechtsfälle" von 636 Millionen Euro ausgewiesen. Davon entfallen 136 Millionen Euro auf die Bayer-Gesundheitssparte, die sich unter anderem mit Schadensersatzklagen im Zusammenhang mit der Verhütungspille Yasmin herumschlägt. Der Rest betrifft vor allem den Agrochemiebereich.

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