Gesundheitskonzerne
Klinik komplett – ein Exportschlager

In puncto Krankenhausbau und klinischer Forschung herrscht in vielen asiatischen Ländern Pionierstimmung. Gefragt sind vor allem komplette Gesundheits-Lösungen - moderne Krankenkhäuser müssen die Bereiche Diagnose, Beratung und Therapie abdecken. Noch findet der Boom fast ohne deutsche Beteiligung statt - deutsche Gesundheitskonzerne drohen die Entwicklung zu verschlafen.

DÜSSELDORF. Der kasachische Präsident Nursultan Nasarbajew will es seiner neuen Hauptstadt an nichts mangeln lassen. Das modernste Krankenhaus Zentralasiens wächst in Astana aus der Steppe, mit viel Glas und Fontänen, großzügig im Halbkreis angeordnet. In der Klinik soll alles laufen wie in Deutschland - entschied der vor gut zehn Jahren auf Lebenszeit ernannte Herrscher.

Heute kommt Achim Hein, Chef der Dr. Hein-Gruppe, zum feierlichen Spatenstich nach Astana. Der deutsche Gesundheitsdienstleister hat den fast 300 Mill. Euro schweren Auftrag gegen 15 internationale Konkurrenten gewonnen. "Krankenhausdienstleistungen sind der deutsche Exporthit", freut er sich. Hein hat eine neue Exportstrategie erkannt: Klinik komplett.

Doch nicht nur bei Krankenhäusern, auch in der klinischen Forschung holt Asien auf. Schon heute liefern beispielsweise indische und chinesische Kliniken zusammen mehr Studien als deutsche. "Deutsche Gesundheitskonzerne müssen in Asien und Zentralasien auch so ins Geschäft kommen, damit sie weltweit nicht zurückfallen," sagt Gesundheitsökonom Stefan von Bandemer vom Institut Arbeit und Technik (IAT) in Gelsenkirchen. Allein in Indien wuchs die Zahl der klinischen Studien im Vorjahr um 65 Prozent. "Noch sind wir in der klinischen Forschung weltweit Spitze. Aber wenn Deutschland die Gesundheitswirtschaft weiter als Kostenfaktor und nicht als Markt behandelt, wird uns Asien überholen," meint Rudi Schmidt, Sprecher der privaten Klinikkette Asklepios.

Auch für Exporteure ändern sich die Bedingungen. "Deutsche Firmen können auf Dauer nicht nur Medizingeräte oder Pharmaka nach Asien exportieren. Es sind komplette Gesundheits-Lösungen gefragt, von der Diagnose, Beratung bis zur Therapie," meint von Bandemer. So könne Boehringer Ingelheim sein Schlaganfall-Medikament nicht einfach in die Steppe liefern, da müsse es auch ein Notarztsystem und Intensivstationen geben. Das haben einige Medizinlieferanten erkannt. So beteiligt sich Siemens bereits an kompletten Kliniken in China. Das Exportmuster hat auch ein Vorbild: die deutsche Autobranche, die auch alles vom Zulieferer bis zur Werkstatt in ihre Absatzmärkte mitbringt.

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