Gesundheitsreform setzt Mittelständler unter Druck
Umsatz rezeptfreier Arzneien bricht ein

Die Gesundheitsreform sorgt für herbe Einbußen bei den Herstellern von rezeptfreien Medikamenten. Nach Berechnungen des weltweit führenden Marktforschungsunternehmens IMS Health, die dem Handelsblatt vorliegen, wird in Deutschland der Umsatz in diesem Segment 2004 um 13 Prozent zurückgehen. Experten der in der Pharmabranche führenden Marktforschungsgruppe IMS gehen angesichts dieser Entwicklung davon aus, dass der deutsche Markt für nicht verschreibungspflichtige Medikamente vor einer Neuordnung steht.

FRANKFURT/M. „Der Markt wird derzeit völlig neu definiert“, sagt Jürgen Petersen, der bei IMS für OTC-Produkte zuständig ist. OTC bedeutet „over the counter“ und umfasst alle Arzneien, für die kein Rezept benötigt wird, wie etwa Aspirin.

Auslöser ist eine Neuregelung im Zuge der Gesundheitsreform. Danach werden seit Jahresbeginn die meisten Medikamente, die nicht verschreibungspflichtig sind, von den gesetzlichen Krankenkassen auch nicht mehr erstattet. Anbieter von OTC-Produkten sind damit gezwungen, stärker ins Endverbraucher-Marketing und den Aufbau starker Marken zu investieren. Das überfordert jedoch viele mittelständische Anbieter finanziell. Der Rückgang dürfte daher vor allem kleinere Pharmahersteller treffen, die bislang noch mehr als die Hälfte des Marktes beherrschen.

Während weltweit der Markt für OTC-Medikamente um gut vier Prozent auf umgerechnet etwa 42 Mrd. Dollar wächst, rechnet IMS für Deutschland mit einem Umsatzrückgang von 13 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 6,8 Mrd. Euro. Im Teilbereich der bislang noch erstattungsfähigen Produkte dürfte sich der Umsatz auf etwa 1,4 Mrd. Euro halbieren, während der Umsatz im Bereich Selbstmedikation um etwa zehn Prozent zulegt.

Schon im laufenden Jahr schneiden die großen Hersteller deutlich besser ab als die kleineren Unternehmen. Die führenden 20 Anbieter der Branche verbuchten laut IMS Einbußen von durchschnittlich nur fünf Prozent, während die übrigen mehr als 800 kleinen Anbieter auf dem Markt im Schnitt fast 20 Prozent an Umsatz verloren. Die zehn größten Unternehmen der Branche, darunter Bayer, Ratiopharm, Hexal, Boehringer und Novartis, halten inzwischen einen Marktanteil von 42 Prozent und bestreiten mehr als 50 Prozent der Werbeausgaben.

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