Gesundheitsreformen
Pillenpreise purzeln

Nachdem der Schweizer Pharmakonzern Novartis am Mittwoch Preissenkungen für einen großen Teil der Medikamente seiner Töchter Hexal und Sandoz in Deutschland angekündigt hatte, zogen andere Hersteller von Nachahmer-Präparaten nach. Das sorgte zwar für Frohlocken bei den Krankenkassen, doch die Anleger reagierten fast schon panikartig.

HB FRANKFURT. Auch die Bad Vilbeler Stada schließt Preissenkungen nicht aus. Anleger verkauften daraufhin Aktien des Unternehmens. Die im Nebenwerteindex MDax notierten Anteilsscheine stürzten in der Spitze um mehr als 11 Prozent ab. Auch Die Ulmer Ratiopharm – die Nummer zwei auf dem deutschen Generikamarkt – kündigte Preissenkungen, zum 15. Juni an.

Hexal und Sandoz sind gemeinsam mit einem Marktanteil von rund 25 Prozent Marktführer in der deutschen Generikabranche. Sandoz will die Hälfte seiner kostengünstigen Kopien von Originalpräparaten vom 1. Juni an 20 Prozent billiger verkaufen. Bei der im vergangenen Jahr von Novartis übernommenen Hexal werden die Preise bei 40 Prozent der Medikamente um 22 Prozent gesenkt.

Mit den Preissenkungen reagieren die Generikahersteller auf Veränderungen im deutschen Gesundheitssystem. Durch das am 1. Mai in Kraft getretene Arzneimittel-Wirtschaftlichkeitsgesetz erstatten die gesetzlichen Krankenkassen deutlich geringere Höchstbeträge für die meisten Medikamente. Ab Juli entfällt für Patienten, die besonders preisgünstige Arzneimittel verordnet bekommen, zudem die Zuzahlungspflicht. Zu teuer verschreibende Ärzte können ab 2007 mit einem finanziellen Abschlag bestraft werden. Dagegen erhalten sie Prämien, wenn sie preiswerte Arzneimittel verschreiben.

Stada will billiger sein als die Konkurrenz

Stada überlegt, es Hexal, Sandoz und Ratiopharm gleichzutun: „Wir werden jetzt eine Einzelfallprüfung eingehen. Da behalten wir uns alles vor“, sagte ein Sprecher. Möglich sei, dass Stada bei einem Teil seiner Medikamente seine Preise senke, vielleicht sogar etwas mehr als die Konkurrenz. „Wenn wir die Preise senken, werden wir dies mit Erwartungen von Mengensteigerungen verbinden, wobei wir insbesondere darauf zielen, Erstanbietern zusätzliche Marktanteile abzunehmen.“ An seinen Jahreszielen halte das Bad Vilbeler Unternehmen dennoch fest.

Mehrere Bankhäuser senkten ihre Anlageempfehlungen für die Stada-Aktien. „Nach unserer Einschätzung wird das Marktumfeld für Stada in den nächsten Monaten sehr schwierig sein“, erklärte Equinet-Analyst Martin Possienke. Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pfalz geht davon aus, dass die aggressive Preispolitik die Konsolidierung auf dem deutschen Markt nochmals beschleunigen wird, da kleine Hersteller kaum mithalten könnten.

Die in Familienbesitz befindliche Ratiopharm erklärte, sie wolle ihre Preise „auf ein besonders niedriges Preisniveau absenken, so dass die Zuzahlungspflicht für Patienten zukünftig entfallen wird“. Genaue Zahlen und die betroffenen Arzneimittel will das Unternehmen der schwäbischen Unternehmerfamilie Merckle später bekannt geben.

Krankenkassen sparen Millionen

Hexal erklärte, die Krankenkassen würden durch die Preissenkungen 60 Mill. Euro im Jahr einsparen. Neue Preise gelten unter anderem für das Hexal-Magenmedikament Omeprazol E, das Herz-Kreislaufmittel Amlodipin und den Cholesterinsenker Simvastatin. Durch die Preissenkungen bei Sandoz könnten 7 Mill. Euro gespart werden.

Der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) begrüßte die Preissenkungen. Dadurch sparten „die Versicherten und die Krankenkassen bares Geld, ohne dass die Versorgungsqualität leidet“, sagte Verbandssprecher Florian Lanz.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%