Getränkeanbieter
Japan braut neuen Bier-Primus

In Japan entsteht gerade einer der weltweit größten Getränkeanbieter: Kirin und Suntory wollen sich zusammenschließen. Sie würden damit vom Umsatz her auf einen weltweiten Spitzenplatz klettern – noch vor Coca Cola. Vor allem Suntory ist auch in Europa aktiv – unter anderem beim Weingut Robert Weil im Rheingau..

TOKIO. Die japanischen Getränkekonzerne Kirin und Suntory planen einen Zusammenschluss, der sie auf einen weltweiten Spitzenplatz heben würde – noch vor Coca-Cola. Die beiden Unternehmen ständen kurz vor einem Abschluss der Verhandlungen, berichteten japanische Medien übereinstimmend unter Berufung auf Firmenkreise. Suntory bestätigte grundsätzlich die Gespräche, wollte jedoch zum Stand der Verhandlungen noch nichts sagen.

Die zwei Großunternehmen würden sich unter das Dach einer neuen Holding begeben, hieß es in den Berichten. Das neue Unternehmen wäre mit einem Umsatz von knapp 30 Mrd. Euro etwas größer als Coca-Cola und etwa doppelt so groß wie der US-belgisch-brasilianische Biermarktführer AB Inbev. Das fusionierte Unternehmen läge aber noch hinter Pepsico und Nestlé.

Ziel des Zusammenschlusses sei es, auf eine profitablere Größe zu kommen und trotz schwieriger Zeiten weiter international expandieren zu können, berichtete die japanische Wirtschaftszeitung „Nihon Keizai“. Ein Kaufpreis wurde noch nicht bekannt. Die Börse Tokio setzte die Kirin-Aktie nach Bekanntwerden der Nachricht am Montag zeitweise vom Handel aus. Das Papier schloss acht Prozent im Plus. Suntory ist nicht börsennotiert.

Einer derartigen Fusion müsste noch das japanische Kartellamt zustimmen: Zusammen würden die beiden Konzerne die Hälfte des Heimatmarkts kontrollieren und die verbleibenden Anbieter, Asahi und Sapporo, vermutlich an den Rand drängen.

Schon jetzt sind beide Unternehmen auch international stark vertreten. Suntory besitzt beispielsweise zahlreiche Weingüter in Europa (siehe Kasten). Dort gehört auch die Mozart Destillerie GmbH den Japanern, ein traditionsreicher Hersteller von Schokoladenlikören aus Salzburg. Suntory ist auch bekannt als die Whiskymarke, für die Bill Murray in dem Kinofilm „Lost in Translation“ Werbung machen soll. Die Marke ist in Japan in fast jeder Bar und jedem Restaurant verbreitet.

Kirin ist aus der Getränkesparte des Mitsubishi-Konglomerats hervorgegangen und braut seit 140 Jahren Bier. Im ersten Halbjahr 2009 war das Unternehmen hier Marktführer in Japan. International kontrolliert Kirin beispielsweise den australisch-neuseeländischen Bier- und Weinhersteller Lion Nathan. Siebeneinhalb Prozent des Umsatzes kommen aus dem Pharmageschäft – den Zugang fand das Unternehmen über Investitionen in Biotechnik, die nach Vorstellung des Managements der Braukunst ähnelt.

Kirin investierte jedoch auch in andere Industriezweige. Kürzlich nutzte der Konzern etwa eine selbst entwickelte Technik zur laseroptischen Überprüfung von Getränkeflaschen, um ins Geschäft mit der Qualitätskontrolle für Autoteile einzusteigen. Die Börse nahm die Nachricht ernst, der Aktienkurs stieg auf ein Jahreshoch. Einen Anteil an Pernod Ricard hat Kirin kürzlich verkauft.

Eine Fusion mit Suntory sei der beste Weg für Kirin, die Profitabilität im Heimatmarkt zu stärken, lobte Analystin Naomi Takagi von JP Morgan Chase den Fusionsplan. Der Gewinn beider Unternehmen sieht im Vergleich zum Umsatz noch recht dürftig aus. Während Coca-Cola etwa vier Mrd. Euro Gewinn macht, läge der Wert für Kirin-Suntory bei nur einer Mrd. Euro.

Japans Getränkekonzerne haben bisher vor Fusionen zurückgeschreckt, weil sie Standorte schließen müssten und Mitarbeiter entlassen, um überflüssige Doppelarbeit zu vermeiden. Das bedeutet in Japan jedoch einen erheblichen Imageverlust und wiederspricht den Grundvorstellungen des Managements. Die Hemmschwelle ist angesichts der Wirtschaftskrise jedoch zuletzt gesunken. Für Kirin und Suntory kommt hinzu, dass sie zuletzt in den gesättigten Märkten an die Grenzen des Wachstums gestoßen waren.

Kirin Brewery hielt im ersten Halbjahr einen Anteil von 38 Prozent am japanischen Biermarkt. Nach vielen Zukäufen kommt jedoch bereits ein Viertel der Einnahmen aus dem Ausland. Suntory liegt im Japan-Ranking auf dem dritten Platz, ist aber ohnehin eher für Whisky bekannt. Danach folgen Asahi und Sapporo. Der Kirin-Umsatz von 18 Mrd. Euro kommt zu 80 Prozent aus der Lebensmittelsparte. Suntory ist stärker auf Getränke spezialisiert. Das Unternehmen macht zehn Mrd. Euro Umsatz.

Finn-Robert Mayer-Kuckuk
Finn Mayer-Kuckuk
Handelsblatt / Korrespondent Peking
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