Getränkebranche
Brauereien schrauben Bierpreis nach oben

Die deutschen Markenbrauereien haben begonnen, ihre Preise für Flaschenbier auf breiter Front anzuheben. Auch die Faßbierpreise werden zulegen. Der Marktführer, die Krombacher Brauerei, geht dabei voran. Schon bald dürfte der Biergenuss merklich teurer werden.

DÜSSELDORF. Krombacher hat in den vergangenen Tagen seinen Handelspartnern seine neuen Preisvorstellungen mitgeteteilt. Danach soll das Krombacher Flaschenbier für den Handel vom 4. Februar 2008 an um rund 60 Cent teurer werden, dies bestätigte ein Sprecher der Siegerländer Brauerei dem Handelsblatt.

Auch Fassbier soll im nächsten Jahr um sieben Euro pro Hektoliter zulegen. Die Krombacher Brauerei begründet diesen Schritt mit erheblich gestiegenen Rohstoff-, Energie- und Verpackungskosten. Besonders die Preise für Hopfen und Malz sind in den vergangenen Monaten wegen der weltweiten Missernten drastisch gestiegen. Aber auch die Preise für Glas oder Energie haben zugelegt.

Nach Informationen des Bundesverbandes des Deutschen Getränkefachgroßhandels (GFGH) haben bereits weitere Brauereien wie Holsten oder Erdinger Preiserhöhungen ab dem nächsten Frühjahr angekündigt. Nach den Vorstellungen der Brauereien soll der 20er-Kasten im Getränkeabholmarkt rund ein Euro teurer werden.

Auch die Brauerei Veltins will ihre Abgabepreise an den Handel zum Stichtag 13. Januar 2008 um 60 Cent pro Kasten erhöhen, dies bestätigte ein Brauereisprecher dem Handelsblatt. Veltins-Fassbier soll ebenfalls um fünf Prozent teurer werden. Die benachbarte Warsteiner Brauerei dreht ab dem nächsten Frühjahr ebenfalls an der Preisschraube, die genaue Höhe soll dem Handel Ende des Monats mitgeteilt werden.

Nach Auffassung der Bitburger-Gruppe sollen die Endverbraucherpreise für die Premium-Marken „Bitburger“ und „König“ Anfang nächsten Jahres um einen Euro pro Kasten zulegen, während die Regionalmarken „Licher“ und „Wernesgrüner“ im Getränkeabholmarkt um lediglich um 50 Cent teurer werden sollen. Die Schwarzbiermarke „Köstritzer“, die im vergangen Jahr schon eine Preiserhöhung erlebte, soll hingegen preis-stabil bleiben, bestätigt das in der Eifel ansässige Unternehmen. Die Fassbier-Preise der Gruppe sollen demnach um durchschnittlich sieben Prozent steigen.

„Wir haben alle Möglichkeiten ausgeschöpft, die zusätzlichen Kosten durch interne Optimierungen aufzufangen und sind nicht bereit, Kompromisse im Bereich Qualität einzugehen. Um unsere Biere weiterhin in gewohnt bester Premium-Qualität herstellen zu können, sehen wir keine andere Alternative als unsere Preise anzupassen“, sagt Peter Rikowski, Sprecher der Geschäftsführung und Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Bitburger-Gruppe.

Die geplante Preiserhöhungswelle der Brauereien hat bereits die Kritik der Handelspartner hervorgerufen. „Kümmerliche 21 Cent pro Kasten“, so GFGH-Vorstand Günter Guder, würden von der Preiserhöhung übrig bleiben, die zudem noch zwischen Groß- und Einzelhandel verteilt werden müssten.

Dies würde noch nicht einmal ausreichen, um die ebenfalls stark gestiegenen Transportkosten auszugleichen. Ganz zu schweigen von den Gastroverlegern, deren Kunden immer noch an den Auswirkungen der Euro-Umstellung litten. Außerdem mussten die Gastronomen auch noch Mehrwertsteuer-Erhöhung, Fasspfand und Rauchverbote ertragen. Eine zusätzliche Bierpreiserhöhung könne somit zu einer weiteren Vernichtung von Existenzen in Gastronomie und Großhandel führen, befürchtet Guder.

Der Einzelhandel hat weiteren Preiserhöhungen schon einmal eine pauschale Absage erteilt. Einzelhandels-Präsident Josef Sanktjohanser prognostiziert für das kommende Jahr nur „einen sanften Anstieg der Preise“. Der starke Wettbewerb unter den deutschen Einzelhändlern werde schon dafür sorgen, dass die aktuellen Forderungen aus der Industrie nicht komplett „auf die Preise durchwirken“, sagte Rewe-Vorstandsmitglied Sanktjohanser vor wenigen Tagen auf der Welternährungsmesse Anuga in Köln.

Branchenkenner fragen sich, wie die Brauereien angesichts eines generell rückläufigen Marktes und aktuell auf breiter Front einbrechender Kastenpreise die angekündigten Erhöhungen im kommenden Jahr tatsächlich durchsetzen können.

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