Getränkeindustrie
Die 300-Prozent-Plus-Firma

Vor Jahren war "Peter-Bräu" aus dem abgelegenen Ostheim am Rand der nordbayerischen Rhön fast bankrott. Dann erfand ihr Braumeister Dieter Leiphold ein neues Getränk: eine Limonade, gebraut wie ein Bier, aber ohne Alkohol und mit Zutaten aus biologischem Anbau.

HB OSTHEIM. "Um zu überleben, brauchten wir ein neues, alkoholfreies Getränk", erinnert sich der 67 Jahre alte Braumeister Leiphold. Zunächst experimentierte er in seinem Bad, später im Labor. Nach acht Jahren gelang ihm schließlich ein Verfahren zum Brauen von Limonade, bei dem bei der Gärung kein Alkohol entsteht.

Das fränkische Familienunternehmen bot das Rezept den großen Getränkeherstellern an. Doch die Großkonzerne zeigten Leipold und seinem Stiefsohn Peter Kowalsky die kalte Schulter. Also entschloss sich die Brauerei, das Getränk unter der Marke "Bionade" selbst zu vermarkten. Der Durchbruch kam aber erst, als Hamburgs größter Getränkehändler Göttsche die Wirte einiger Szenebars vor sieben Jahren zu einem "Bionade"-Test überredete.

Bionade kam auf den Tisch von Trendsuchern, Werbeagenturen und Verlagen. Die Natur-Limo aus der bayerischen Provinz wurde zum Kultgetränk in der Weltstadt Hamburg. Von der Hansestadt aus eroberte Bionade andere deutsche Städte und wird längst nicht mehr nur in Bio-Läden, sondern auch von Getränke-Riesen wie Coca-Cola, Edeka, Metro oder Rewe vertrieben. Vier Geschmacksrichtungen gibt es inzwischen: Holunder, Litschi, Kräuter und Ingwer-Orange.

In den vergangenen zwei Jahren verzehnfachte die als Bionade GmbH firmierende Limo-Brauerei ihren Umsatz. "Wir wachsen derzeit mit über 300 Prozent und werden 2005 über 30 Millionen Flaschen absetzen", sagt Kowalsky, der als Geschäftsführer des Unternehmens fungiert. Bei über zehn Millionen Euro soll der Umsatz 2005 liegen, bis 2010 soll Bionade für 100 Millionen Euro verkauft werden.

Bereits jetzt platzt die frisch gestrichene Brauerei in dem 3800-Einwohner-Städtchen aus allen Nähten. Ununterbrochen fahren Lkw zum Beladen in den engen Hof, Schlangen von Getränkelastern bilden sich auf der Straße davor. Bionade, inzwischen größter Arbeitgeber in Ostheim, will in dem Luftkulturort nun ein neues Verladezentrum und eine Abfüllerei bauen. Noch vor einem Jahr half Kowalsky in Gummistiefeln halbtags selbst bei der Produktion mit. Heute trägt der 37-jährige Brauingenieur ein weißes Hemd und organisiert in einem Büro das Wachstum des Unternehmens. In den vergangenen 18 Monaten verdreifachte er die Mitarbeiterzahl auf 60, jeden Monat kommen ein bis zwei hinzu.

Kowalsky will Bionade in Familienbesitz halten und die nötigen Großinvestitionen über Kredite finanzieren. "An die Börse gehen wir nur, wenn wir so viel Geld brauchen, dass es nicht anders geht", sagt er. Übernahmeangebote in ein- und zweistelliger Millionenhöhe habe er schon abgelehnt, bekennt der Bionade-Chef trotzig: "Erst wollte uns keiner haben. Jetzt läuft es, und wir werden nicht verkaufen."

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