Getränkeindustrie
Kaum Durst auf Bier und Cola

Die deutsche Getränkeindustrie hätte einen warmen Sommer gut gebrauchen können. Denn die Situation in der Branche ist seit Jahren angespannt: Die Umsätze in der Bierindustrie sinken, im Einzelhandel tobt ein harter Preiskampf und die steigenden Energiekosten verteuern Produktion und Transport der Getränke. Der erhoffte Umsatzschub im Sommer blieb jedoch aus.

kr DÜSSELDORF. „Die Stimmung unter den Brauereien ist so schlecht wie das Wetter“, sagt Birte Kleppien vom Deutschen Brauerbund. Im Juli verkauften die deutschen Bierproduzenten mit 8,25 Mill. Hektoliter 3,1 Prozent weniger Bier und Biermixgetränke als im Vorjahresmonat. Im August dürfte der Umsatz noch einmal unter dem Vorjahresniveau liegen. „Das Wetter hat uns einen dicken Strich durch die Rechnung gemacht“, sagt Birte Kleppien.

Doch es ist nicht nur das schlechte Wetter, das die Stimmung in der Branche trübt. Die Bierindustrie verzeichnet seit Jahren rückläufige Umsätze in Deutschland. Der Hauptgrund liegt nach Ansicht von Birte Kleppien im demographischen Wandel. „Es gibt immer weniger Biertrinker“, sagt sie. Ältere Menschen seien zwar treue Biertrinker, doch sie konsumierten auch weniger als jüngere, die vermehrt auf andere Getränke ausweichen. Zudem gebe es einen harten Preisdruck in der Branche, der durch die Rabattaktionen des Einzelhandels angeheizt werde.

Vom harten Preiskampf im Einzelhandel berichtet auch Florian Sperling, Pressesprecher von der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (Wafg): „Die Leute sparen zuerst bei den Lebensmitteln.“ Die Verbraucher würden statt der Markenprodukte die billigeren Discountprodukte kaufen. Und das setzt die ganze Branche unter Druck. „Preiserhöhungen lassen sich in dieser Situation nicht durchsetzen“, sagt Sperling. Und das, obwohl sie seiner Ansicht nach längst überfällig sind. Denn aufgrund des gestiegenen Ölpreises sind die Transportkosten stark gestiegen.

Zwar verkauften die Fruchtsafterzeuger und Hersteller alkoholfreier Erfrischungsgetränke im Juli mit rund 1,4 Mrd. Liter 3,3 Prozent mehr als im Juli 2004. Der Umsatz ging aber gegenüber dem Vorjahresmonat infolge des Preiskampfes um 2,2 Prozent zurück. Der Sommer sei nicht so gut gewesen wie von der Getränkeindustrie erhofft, meint Sperling. „Der Juli war durchschnittlich und der August nah an der Katastrophe.“

Für die Getränkehersteller wiegt das kühle und regnerische Sommerwetter besonders schwer. Denn die Monate Juli und August zählen traditionell zu den umsatzstärksten des Jahres. Um bis zu einem Drittel liegen die Verkäufe in den Sommermonaten über dem Jahresdurchschnitt. „Einbußen in dieser Zeit lassen sich bis zum Jahresende kaum noch ausgleichen“, meint Sperling. Birte Kleppien hofft noch auf einen „Goldenen Oktober“, um wenigstens das Vorjahresergebnis zu erreichen. Bislang liegt der Absatz der Bierindustrie 0,7 Prozent unter dem Vorjahresniveau.

Die Misere der Getränkewirtschaft spiegelt sich auch in der Mitarbeiterzahl wider. Die deutschen Brauereien beschäftigten im vorigen Jahr 33400 Menschen – mehr als tausend weniger als 2003. Auch bei den Herstellern von Erfrischungsgetränken setzt sich der Stellenabbau unvermindert fort: Von den 32269 Menschen, die noch zu Jahresanfang in Lohn und Brot standen, verloren bis Mitte dieses Jahres 485 ihren Arbeitsplatz.

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