Getrag: Situation eskaliert weiter: Zulieferer Grammer schickt Tausende in Kurzarbeit

Getrag: Situation eskaliert weiter
Zulieferer Grammer schickt Tausende in Kurzarbeit

Die Krise der Autobranche hat auch den Oberpfälzer Zulieferer Grammer erwischt. Der Produzent von Sitzen und Innenausstattung schickt Tausende Beschäftigte in Kurzarbeit. Die Situation beim Getriebespezialisten Getrag, der ebenfalls mit Problemen kämpft, eskaliert derweil weiter.

DÜSSELDORF. Am Donnerstag informierte die Getrag-Geschäftsführung die Belegschaft an den vier baden-württembergischen Standorten über den Stand der Verhandlungen mit der IG Metall. Das Unternehmen will 27 Mio. Euro einsparen. Deshalb will die Geschäftsführung den Standort Ludwigsburg schließen und insgesamt 380 Stellen streichen, nach Angaben eines Unternehmenssprechers 250 davon in Ludwigsburg, die übrigen 130 in der Zentrale in Untergruppenbach. Informationsveranstaltungen waren für den Donnerstag außer in diesen beiden Werken auch in Neuenstein (Hohenlohekreis) und Rosenberg (Neckar-Odenwald-Kreis) geplant.

Bei den Veranstaltungen waren lediglich schriftliche Fragen der Mitarbeiter zugelassen. Als ein Mitarbeiter in Ludwigsburg mündlich eine Frage stellen wollte und ihm das nicht erlaubt wurde, verließ ein großer Teil der Belegschaft die Veranstaltung, wie der Getrag-Sprecher Handelsblatt.com bestätigte. Der Sprecher räumte ein: "Die Reaktion der Mitarbeiter in Ludwigsburg war nicht ganz so ruhig wie die in Untergruppenbach." Am Mittwoch war es nach Informationen aus Belegschaftskreisen in sämtlichen Schichten des von der Schließung bedrohten Werks zu spontanen Arbeitsniederlegungen gekommen.

Der Autozulieferer Grammer aus der Oberpfalz teilte am Donnerstag mit, das Unternehmen schicke an den Standorten in der Region Amberg einschließlich der Firmenzentrale 2 000 Beschäftigte zunächst bis Ende März in Kurzarbeit. Grammer produziert vor allem Sitze und Innenausstattung für Autos, Lastwagen, Land- und Baumaschinen. Die Krise in der Auto- und Nutzfahrzeugmarkt erfordere eine schnelle Anpassung der Produktion und der Kosten, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit. In den ersten drei Wochen eines Monats sollen die Mitarbeiter deshalb zunächst jeweils vier Tage zur Arbeit kommen, in der jeweils letzten Monatswoche nur drei.

"Eine Prognose für die weitere Entwicklung in 2009 ist aufgrund der weiterhin großen Unsicherheit bei den Kundenabrufen als Folge der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich", erklärte Grammer. Über eine mögliche Verlängerung der Kurzarbeit über Ende März hinaus und zusätzliche Einsparungen oder Kapazitätskürzungen werde später entschieden.

Grammers Aktie, die im SDax gelistet ist, gab am Donnerstag infolge der Nachricht um gut zwei Prozent auf 6,76 Euro nach. Zum Unternehmen zählen nach dessen Angaben 23 vollkonsolidierte Gesellschaften in 17 Ländern mit insgesamt 9 200 Mitarbeitern.

Tino Andresen
Tino Andresen
Handelsblatt.com / Reporter
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