Getreidemarkt
Aus Korn wird Sprit statt Brot

Deutschlands größter Agrarhändler, die Münchener Baywa AG, warnt vor weltweiten Engpässen auf dem Getreidemarkt: Grundnahrungsmittel wanderten global zunehmend in die Produktion von Biokraftstoffen und Fleisch. Was Entwicklungsländern noch Probleme bereiten wird, freut den deutschen Steuerzahler.

MÜNCHEN. „Global wird zu viel Getreide für die Produktion von Biokraftstoffen verwendet“, sagte Baywa-Chef Wolfgang Deml dem Handelsblatt. Die Preissteigerungen von bis zu 70 Prozent für Weizen, Mais und Futtergerste in den vergangenen 12 Monaten seien noch nicht das Ende der Entwicklung. „Die extremen Investitionen in nachwachsende Rohstoffe werden zu weiteren Preissteigerungen führen“, sagt der Chef der Baywa AG.

Die Landwirtschaft steht nach Ansicht von Deml vor einer Trendumkehr. Wie stark der Boom ist, zeigt sich in den USA. Der größte Agrarproduzent der Welt will seine Produktion von Bioethanol aus Futtermais in den kommenden drei Jahren von derzeit 45 auf 90 Millionen Tonnen verdoppeln. Das entspricht der jährlichen Anbaumenge von Futtermais in der Europäischen Union. Der enorme Bedarf der Amerikaner nach dem Biosprit führt mittlerweile zu Konflikten mit dem Nachbarn Mexiko. Dort protestierten im Januar tausende Mexikaner, nachdem sich die Maispreise über Nacht verdoppelt hatten, was auf die Preise für das Grundnahrungsmittel Tortilla durchschlug.

Auch die rasant steigende Fleischproduktion treibt die Preise. Vor allem in China und Indien wächst der Fleischverbrauch enorm und heizt die Nachfrage zusätzlich an. „Um ein Kilo Fleisch zu erzeugen, braucht man sieben Kilo Getreide“, rechnet Deml vor. Die weltweiten Getreidereserven stünden vor einem neuen Tiefstand. „Die Spekulation mit Getreide wird drastisch zunehmen“, prophezeit Deml. „Die EU hat auch in den kommenden Jahren kein Problem mit Grundnahrungsmitteln. Das Probleme bekommen andere“, sagt Deml mit Blick auf die Entwicklungs- und Schwellenländer.

Die deutsche Landwirtschaft gehört nach Jahren des Niedergangs zu den Gewinnern - auch zur Freude der Steuerzahler. Erstmals müssen seit dem vergangenen Jahr die Preise für Weizen in Deutschland nicht mehr künstlich gestützt werden. Mit 150 Euro je Tonne liegt der Marktpreis derzeit deutlich über dem so genannten Interventionspreis von rund 100 Euro zudem der Bund jahrzehntelang Weizen aufgekauft hat. Die Läger der „Bundesanstalt für landwirtschaftliche Entwicklung“ leeren sich: Von den 3,5 Millionen Tonnen Weizen 2006 sind nur noch 200 000 Tonnen übrig.

Eine kurzfristige Steigerung der Produktion ist hier zu Lande kaum möglich. Zum einen entzieht der Bioboom der konventionellen Landwirtschaft Fläche, doch die Erträge der Biobauern sind um bis zu ein Drittel niedriger. Auch die zunehmende Reaktivierung ehemals stillgelegter Flächen entschärft die Situation nicht. Denn die zusätzliche Produktion wandert auch hier zu Lande fast ausschließlich in Biogas und Biotehanolanlagen. Laut einer EU-Richtlinie sollen bis 2010 dem Benzin 5,75 Prozent Biokraftstoffe beigemischt werden.

Die Baywa profitiert nach eigenen Angaben von der Entwicklung nur mäßig. Denn die Marge im Getreidehandel bleibt trotz der enormen Preissteigerungen mit einem Prozent bescheiden. „Mittelfristig wollen wir durch Effizienzsteigerungen auf 1,5 Prozent kommen“, sagt Deml. Dem Marktführer in Deutschland und Österreich sind hier zu Lande wegen kartellrechtlicher Bedenken kaum mehr Zukäufe mehr möglich. Deml sucht daher verstärkt in Osteuropa nach Kaufgelegenheiten.

In Deutschland will der Mischkonzern seine Präsenz im Baustoffgroßhandel ausbauen, neben dem Energiegeschäft das dritte große Standbein der Baywa. Vor allem durch Zukäufe in Nordrhein-Westfalen will Deml den Marktführer Raab Karcher, Tochter des französischen Baustoffkonzerns Saint Gobain, angreifen. Nach einem Umsatzplus von 11 Prozent auf 7,3 Milliarden Euro im vergangenen Jahr peilt die Baywa 2007 nur einen mäßigen Zuwachs an. Denn der milde Winter hat das Heizölgeschäft des Mischkonzerns um bis zu 25 Prozent einbrechen lassen. Das operative Ergebnis soll in diesem Jahr 75 Millionen „plus X“ betragen. Deml peilt für das Jahr 2009 einen Anstieg auf 100 Millionen Euro an.

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