Gewaltige Kapitalerhöhung Heideldruck übt Befreiungsschlag

Nun möchte sich Bernhard Schreier endlich wieder um den Kern seines Geschäfts kümmern: den Bau hoch komplexer Druckmaschinen. Mit der am Dienstag angelaufenen Kapitalerhöhung, will der Chef von Heidelberger Druck Jobabbau, Staatshilfe und tiefrote Zahlen hinter sich lassen.
Kommentieren
Fertigungsanlage der Heidelberger Druckmaschinen AG: Das Unternehmen will wieder an alte Zeiten anknüpfen. Quelle: Pressebild

Fertigungsanlage der Heidelberger Druckmaschinen AG: Das Unternehmen will wieder an alte Zeiten anknüpfen.

(Foto: Pressebild)

DÜSSELDORF. Nun kann sich Bernhard Schreier, Chef von Heidelberger Druck, endlich wieder um den Kern seines Geschäfts kümmern: den Bau hoch komplexer Druckmaschinen. Das Unternehmen aus Heidelberg ist Weltmarktführer, in den vergangenen Monaten war dies aber in den Hintergrund gerückt. Themen wie Stellenabbau, Staatshilfe und tiefrote Zahlen standen hingegen ganz oben auf der Agenda.

Mit der am Dienstag angelaufenen Kapitalerhöhung will Schreier das alles hinter sich lassen. Heideldruck soll wieder eine Aushängeschild des deutschen Maschinenbaus sein.

Die Kapitalerhöhung ist gewaltig und zeigt, in welch prekärer Lage sich Heideldruck trotz der Staatsbürgschaft befindet. Pro existierender Aktie sollen zwei neue ausgegeben werden, der Anteil der Bestandsaktionäre wird massiv verwässert. Die Maßnahme ist alternativlos, drückt doch eine enorme Zinslast auf das Ergebnis des Konzerns. Rund 85 Mio. Euro muss Heideldruck jährlich für Kredite aufbringen. Die Schulden beliefen sich bis Ende Juni auf 760 Mio. Euro.

Eine Rückkehr in die Gewinnzone wird durch die hohen Zinsen erschwert. Auch könnte das Geld besser für die Entwicklung des operativen Geschäfts aufgewendet werden. Der Konkurrenzkampf ist groß und neue Wettbewerber aus Asien drängen auf den engen Markt.

Für Finanzvorstand Dirk Kaliebe ist die Kapitalerhöhung daher ein "Befreiungsschlag". "Der Nettoerlös von rund 400 Mio. Euro soll komplett in den Abbau der Einzelverbindlichkeiten fließen. Die Zinslast wird damit um rund 40 Mio. Euro reduziert", sagte Kaliebe. Da mit der besseren Kapitalausstattung auch das Risiko für die Banken sinkt, kann der Finanzchef künftig auch mit einem besseren Zinssatz rechnen. Bislang muss Heideldruck neun bis zehn Prozent zahlen.

Sorgen um eine Platzierung der rund 155 Mio. neuen Anteilsscheine muss sich Kaliebe nicht machen. Die emissionsbegleitenden Finanzhäuser Commerzbank und Deutsche Bank haben die Abnahme der Aktien garantiert. Pro Titel wurde der Preis bei 2,70 Euro festgelegt. Dies liegt zwar laut Analysten im Rahmen der Erwartungen, ist aber dennoch ein hoher Abschlag gegenüber dem aktuellen Kursniveau. Am Freitag hatte die Heideldruck-Aktie mit 6,20 Euro geschlossen.

Ist die Emission der neuen Titel durch, will sich Kaliebe um die künftige Finanzstruktur kümmern. "Wir wollen unser Fremdkapital diversifizieren", sagte er. Neben Krediten könnten dazu Anleihen begeben werden. Details nannte er nicht.

Mittelfristige Ziele bekräftigt

Der Konzern äußerte sich zuversichtlich zum bisherigen Verlauf des Geschäftsjahres. Die positive Entwicklung der vergangenen Quartale setze sich fort. So liege der Auftragseingang in dem von Juli bis September reichenden zweiten Geschäftsquartal im Plan und damit über Vorjahresniveau. Ferner bekräftigte Schreier die mittelfristigen Ziele, wonach der Umsatz von zuletzt 2,3 Mrd. auf über drei Mrd. Euro und die Ebit-Marge (Ergebnis vor Steuern und Zinsen) auf über fünf Prozent steigen sollen.

Heideldruck war wie die Wettbewerber Manroland und Koenig & Bauer von der Wirtschaftsflaute massiv getroffen worden, die Neuaufträge sanken teilweise um mehr als 50 Prozent. Hinzu kommt eine Strukturkrise, immer mehr Werbung und Printinhalte wandern ins Internet ab. Auch wenn die Unternehmen das Gröbste hinter sich haben, so stellen sie sich darauf ein, dass die Nachfrage dauerhaft um 20 Prozent geringer ausfallen wird.

Was bleibt, ist eine Überkapazität am Markt. Diese versuchen die Unternehmen zwar über höhere Exporte vor allem in Schwellenländer auszugleichen. An eine Konsolidierung der Branche wird aber wohl kein Weg vorbeiführen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Gewaltige Kapitalerhöhung - Heideldruck übt Befreiungsschlag

0 Kommentare zu "Gewaltige Kapitalerhöhung: Heideldruck übt Befreiungsschlag"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%