Gewaltiger Brocken
Finanzinvestoren haben Daimler im Visier

Der Autokonzern Daimler muss sich nach der Trennung von Chrysler auf zunehmenden Druck von Finanzinvestoren einstellen. Nach Ansicht von Experten wird die Daimler AG auch Begehrlichkeiten bei Hedge-Fonds wecken. Sie alle lockt ein Schatz, den der Stuttgarter Premiumhersteller hortet.

hz FRANKFURT. Die hohe Nettoliquidität, die Analysten derzeit mit 12,9 Mrd. Euro angeben, macht den neu formierten Konzern zu einem attraktiven Ziel. „Wir haben noch nicht entschieden, wie wir dieses Geld verwenden werden“, sagte Daimler-Finanzchef Bodo Uebber dem Handelsblatt.

„Wenn Daimler nicht selbst aktiv wird, sehen wir den Konzern als klares Ziel von Hedge-Fonds, die Druck auf das Management ausüben werden“, sagte Christian Breitsprecher von der BHF-Bank. Daimler könnte zur Ausschüttung einer Sonderdividende oder zu einem Aktienrückkaufprogramm gezwungen werden. Ein solches Vorgehen wäre nicht einmalig in der Finanzwelt. So hatte der Hegde-Fonds TCI die Deutsche Börse gezwungen, eine geplante Übernahme abzusagen, und vom Energiekonzern Eon hatten Investoren nach der gescheiterten Übernahmeattacke auf den spanischen Energieversorger Endesa gefordert, eine Sonderdividende auszuschütten.

Anders als das Management sehen Fachleute deshalb die Gefahr einer Attacke auf Daimler nicht gebannt. Auto-Experte Stefan Bratzel glaubt, dass die neue Daimler AG zum Übernahmekandidaten werden könne. „Daimler muss sich mittel- und langfristig Sorgen um die eigene Unabhängigkeit machen“, sagte der Leiter des Center of Automotive der Fachhochschule Bergisch Gladbach.

Das Daimler-Management hält solche Szenarien allerdings für unwahrscheinlich. „Wir kontrollieren unser Schicksal mehr und besser als noch vor einem halben Jahr“, hatte Daimler-Chef Dieter Zetsche bereits am Montag in Stuttgart klargestellt. Der Autohersteller verwies auf den stark gestiegenen Börsenkurs, seit er die US-Sparte Chrysler im Februar zur Disposition gestellt hatte. „Zu dieser Zeit war das Risiko, dass andere Entscheidungen für uns treffen, sicherlich dramatisch höher als heute“, sagte er. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen gab es jedoch zu diesem Zeitpunkt keine Hinweise auf einen Übernahmeversuch von Finanzinvestoren.

Gewaltiger Brocken

Auch Auto-Analyst Georg Stürzer von der Hypo-Vereinsbank hält eine Übernahme von Daimler für kein wahrscheinliches Szenario. Mit einer Marktkapitalisierung von mehr als 60 Mrd. Euro wäre Daimler auch für Finanzinvestoren ein gewaltiger Brocken, sagte der Experte.

Fachleute betonten allerdings, dass schon eine größere Beteiligung reichen würde, um angesichts der zersplitterten Aktionärsstruktur bei Daimler massiven Druck auf das Management aufzubauen. Die Stuttgarter haben keinen starken Großaktionär. Größter Einzelanleger ist Kuwait, das rund 7,1 Prozent hält. Einen wirksamen Schutz vor Finanzinvestoren, die nach früheren Aussagen von Daimler 15 bis 20 Prozent an dem Konzern halten, bietet dies nicht.

BHF-Bank-Analyst Breitsprecher hält deshalb eine Attacke von Hedge-Fonds durchaus für möglich. Natürlich sehe das Risiko, dass Daimler jetzt noch von Finanzinvestoren angegriffen werde, nun geringer aus als noch zu Zeiten, als der Aktienkurs bei 33 Euro lag, erläuterte er. Doch damals hätten viele große Finanzinvestoren die Probleme bei Chrysler abgeschreckt. Nach der Trennung von der US-Sparte sei der Hersteller nun „billig, sauber und aus zwei Sparten bestehend, die alleine laufen könnten“.

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