Gewaltiger Ölfund
Brasilien wird bedeutender Ölexporteur

Brasilien macht in der Rangliste der Ölförderländer einen großen Schritt nach vorn. Der Staatskonzern Petrobras hat in der vergangenen Woche das größte neue Ölfeld seit sieben Jahren entdeckt und will kräftig in Raffinerien investieren.

SAO PAULO / LONDON. Der gewaltige Ölfund der vergangenen Woche vor der brasilianischen Küste werde den Staatskonzern Petrobras in eine neue Dimension befördern, sagte dessen Chef José Sergio Gabrielli de Azevedo in einem Gespräch mit dem Handelsblatt. Brasilien werde damit zu einem der größten Ölproduzenten der Welt und überlege, der Opec beizutreten, sagte Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva. Trotzdem werde das Land weiter in Biotreibstoffe investieren, um auch dort eine führende Rolle einzunehmen.

Petrobras hat in der vergangenen Woche den weltweit größten Ölfund seit sieben Jahren bekanntgegeben. Probebohrungen ergaben, dass das Ölfeld Tupi vor der Küste des Landes fünf bis acht Milliarden Barrel (je 159 Liter) Rohöl enthält. Sollte die Förderung das obere Ende der Spanne erreichen, dann entspräche das fast dem gesamten Ölvorkommen Norwegens. Brasiliens Ölreserven von bisher 14 Mrd. Barrel würden damit um mehr als die Hälfte steigen.

Gabrielli kündigte an, dass die Pilotphase der Produktion mit einer täglichen Förderung von bis zu 100 000 Barrel leichten Rohöls 2010 oder 2011 starten werde. Das Tupi-Feld ist jedoch technisch enorm anspruchsvoll. Es liegt in rund 6 000 Metern Tiefe unter dem Meer und unter einer tückischen Salzschicht in Gelform. Diese hat die Eigenschaft, gebohrte Löcher wieder zu verschließen. Es wird daher schwer, das Öl gleichmäßig zum Fließen zu bringen, aber Petrobras hat Erfahrung mit komplexen Tiefsee-Bohrprojekten.

Auf rund 30 Mrd. Dollar schätzt der Ölexperte Giuseppe Bacoccolli von der Föderalen Universität in Rio de Janeiro den Investitionsbedarf für zehn Plattformen. Problematisch sei, dass es bereits jetzt an Ingenieuren und Facharbeitern mangele. Partner in Tupi sind mit 25 Prozent die britische BG und mit zehn Prozent die portugiesische Petrogal.

"Wir werden unseren Investitionsplan überdenken“, kündigte Gabrielli an. Einerseits würden Mittel zum Tupi-Feld umgeleitet und andererseits neue Mittel bereitgestellt. Bis-her geht der Konzern für seine Investitionsplanungen noch von einem langfristigen Rohölpreis von 35 Dollar je Barrel aus. Es sei auch gut möglich, dass Petrobras in der geologischen Formation, die sich 800 Kilometer lang und 200 Kilometer breit entlang der Küste hinziehe, noch weitere Funde gelängen. Für ein Viertel dieser Fläche haben die Behörden bisher Bohrlizenzen vergeben. Auch international werde der Konzern weiterhin stark investieren. Vor allen in Argentinien (2,8 Mrd. Dollar), dem Golf von Mexiko (5 Mrd. Dollar) und Nigeria (1,4 Mrd. Dollar) will der Konzern die Exploration stark ausweiten.

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