Gewerkschaft fürchtet weitere Schritte
Conti schließt Reifenproduktion in Hannover-Stöcken

Die Autozulieferer Continental stellt die Reifenproduktion im Stammwerk Hannover-Stöcken zum 31. Dezember 2006 ein. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, sind 320 Beschäftigte davon betroffen. Das sind rund zehn Prozent der Belegschaft.

HB HANNOVER. Die Gewerkschaft IG BCE kündigte umfangreiche Protestaktionen an. Sie sieht weitere Arbeitsplätze in anderen Werken gefährdet. Der DGB sprach von einem „gesellschaftlichen Skandal“. Arbeitsplätze würden für den Profit „geopfert“. Conti fährt seit Jahren Rekordgewinne ein. IG BCE-Chef Hubertus Schmoldt sagte am Dienstag, Conti-Vorstandschef Manfred Wennemer wolle zu Lasten der Beschäftigten offensichtlich seinen Ruf als „Dividenden-Erhöher“ verteidigen. Es müsse nun die Frage gestellt werden, wie die Gewerkschaft bei Conti künftig mit tariflichen Öffnungsklauseln umgehe.

Die Schließung der Reifenproduktion in Stöcken hatte sich seit längerem abgezeichnet. Zur Begründung teilte das Unternehmen am Dienstag mit, das Wachstum in der Reifensparte sei geringer ausgefallen als erwartet. Die Produktion in Hannover sei die kleinste und insgesamt auch die teuerste der Conti AG gewesen. Auch an weiteren Standorten sollen die Schichten „kostenoptimiert“ angepasst werden, erklärte Wennemer.

Ein Conti-Sprecher sagte, das Management nehme nun mit dem Betriebsrat Gespräche über den Stellenabbau auf. Er wollte nicht sagen, ob es auch zu betriebsbedingten Kündigungen kommen soll. Dies befürchtet die Gewerkschaft. Conti-Chef Wennemer fährt seit Jahren einen harten Kurs der Kostensenkungen, dazu gehört auch die Schließung von Standorten. Conti gilt zudem als Vorreiter der Verlagerung von Arbeitsplätzen in Billiglohnländer.

Conti kündigte zudem an, mit der Stilllegung sei die Betriebsvereinbarung für diesen Teil der Produktion aufgehoben. Bei deren Abschluss im Mai 2005 habe die Geschäftsleitung eine deutlich positivere Marktentwicklung erwartet, als sie eingetreten sei. Vorstandschef Manfred Wennemer stellte die Schließung in Zusammenhang mit der Strategie von Conti, teure Produktion an Niedriglohnstandorte zu verlagern. Dank Produktionsverlagerungen und einer immer stärkeren Nachfrage nach elektronischen Stabilitätsprogramm (ESP) steuert der Konzern beim Gewinn 2005 das vierte Rekordjahr in Folge an.

Wennemer betonte, dass die Stilllegung der Produktion keine unmittelbaren Auswirkungen auf Forschung und Entwicklung sowie auf andere Produktionsbereiche am Standort haben werde. Im Werk Hannover sind nach Konzernangaben rund 3300 Mitarbeiter beschäftigt, 680 davon in der Lkw-Reifenproduktion. Die Gewerkschaft spricht von insgesamt 3700 Beschäftigten. Der vor der Schließung stehende Bereich produziert Sommerreifen für die Erstausrüstung von Pkw.

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