Gewerkschaft
IG Metall: Schaeffler bekommt Aufsichtsrat

Im Ringen um die Zukunft des Schaeffler-Konzerns sieht sich die IG Metall bei ihrer Forderung nach mehr Mitsprache kurz vor dem Ziel. Schon in wenigen Wochen werde es bei dem Herzogenauracher Unternehmen erstmals einen Aufsichtsrat oder einen mitbestimmten Beirat geben, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer.

MÜNCHEN. Die Gewerkschaft forderte zudem ein rasches Ende des Machtkampfes zwischen Schaeffler und Conti. „Dieses Kasperltheater muss im Interesse beider Unternehmen eingestellt werden“, sagt Neugebauer

IG-Metall-Chef Berthold Huber und die Schaefflers hatten sich schon im Februar grundsätzlich auf die Einführung eines mitbestimmten Aufsichtsrats geeinigt. Im Gegenzug unterstützten die Arbeitnehmer die Bitte um Staatshilfe. In den vergangenen Wochen stockten die Verhandlungen. Die Gewerkschaft fürchtete, dass Schaeffler die Einführung eines paritätisch besetzten Kontrollgremiums hinauszögern könnte, bis die Zukunft der gesamten Gruppe geklärt ist. Inzwischen ist die Gewerkschaft aber zuversichtlich, dass sie schon in einigen Wochen ihre Vertreter für das Gremium bestimmen kann. „Es ist wichtig, dass wir überhaupt mal einen Fuß in die Tür bekommen“, sagte Wolfgang Müller, Schaeffler-Beauftragter der Gewerkschaft.

Der Konzern selbst wollte sich nicht auf einen konkreten Zeitplan festlegen. Ein Sprecher sagte aber: „Dass die Mitbestimmung kommt, steht außer Frage.“

Für die IG Metall wäre es ein echter Durchbruch. Sie hatte sich in den vergangenen Jahren große Schlachten mit Schaeffler-Boss Jürgen Geißinger geliefert. Auch heute gilt das Verhältnis noch als angespannt. „Die Vorgehensweise von Frau Schaeffler und Herrn Geißinger erinnert mich eher an Rambo als an Schneewittchen“, sagte Gewerkschaftsboss Neugebauer gestern. Derzeit gibt es bei Schaeffler zwar einen Beirat, in dem sitzen aber keine Arbeitnehmer.

Den Machtkampf bei Conti sehen die Arbeitnehmervertreter in Bayern mit einer gewissen Distanz. So ließ Neugebauer durchblicken, dass er verwundert darüber ist, warum die Arbeitnehmervertreter im Conti-Aufsichtsrat sich so klar auf die Seite von Conti-Chef Karl-Thomas Neumann geschlagen haben. Geißinger sei vielleicht „der größere Gewerkschaftsfresser“, sagte Neugebauer. „Herr Neumann ist aber auch kein heuriger Hase und auch nicht der Vorsitzende des Müttergenesungswerks in Hannover.“ Der Conti-Vorstandsvorsitzende versuche derzeit mit der Androhung, ein Elektronikwerk in Deutschland schließen zu wollen, an den einzelnen Standorten Lohnzugeständnisse zu erpressen. Eine Conti-Sprecherin sagte dagegen, es gehe nicht darum, Elektronik-Werke zu schließen.

Dagegen äußerten sich die Schaeffler-Arbeitnehmervertreter positiv über Elmar Degenhart, den die Schaefflers zum neuen Conti-Chef machen wollen. „Mir scheint er äußerst kompetent“, sagte der Schaeffler-Betriebsratsvorsitzende Norbert Lenhard. Der derzeitige Chef der Schaeffler-Automotive-sparte sei „konfliktfähig, aber auch konsensfähig.“

Nach der chaotischen Aufsichtsratssitzung bei Conti steht auch Aufsichtsratschef Rolf Koerfer unter Druck. In Industriekreisen wurde aber betont, dass eine Ablösung des Schaeffler-Vertrauten derzeit nicht zur Debatte stehe. Die Familie stehe zu Koerfer. Solange dies der Fall sei, werde er sicher auch an der Spitze des Kontrollgremiums bleiben. Schaeffler hatte bei der Aufsichtsratssitzung in der vergangenen Woche versucht, Neumann als Conti-Chef abzulösen. Der Versuch scheiterte aber am Widerstand der Arbeitnehmer. Laut Unternehmenskreisen hält Schaeffler aber an dem Plan fest, Neumann durch Degenhart abzulösen.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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