Gewerkschaften bremsen
Fusion von Suez und GdF ausgebremst

Die Fusion der französischen Energiekonzerne Gaz de France (GdF) und Suez droht an der Forderung der Suez-Aktionäre nach einer höheren Milliardenausschüttung zu scheitern. Zudem legen die Gewerkschaften der Mega-Fusion neue Steine in den Weg.

HB PARIS. Der GdF-Europabetriebsrat nutzt die Situation, um den Zusammenschluss zum führenden Gaskonzern und fünftgrößten Stromanbieter Europas mit juristischen Mitteln zu blockieren. Einen Tag vor dem geplanten Fusionsbeschluss der Verwaltungsräte beider Unternehmen ordnete ein Pariser Gericht am Dienstag auf Antrag der Arbeitnehmer die Vertagung der GdF-Verwaltungsratssitzung an. Der Europabetriebsrat habe noch nicht über die Fusion befinden können, erklärte der Richter. Auch in der Berufung wurde die Anordnung der Richter bestätigt. Es wurde unter Androhung eines Bußgeldes verboten, „Entscheidungen zum Fusionsprojekt GdF-Suez zu treffen, solange der Europabetriebsrat dazu nicht Stellung bezogen“ habe. Vor 2007 ist die Fusion jedenfalls nicht möglich.

Der Betriebsrat bemängelt die „minimalen Informationen“ der Konzernführung zur Sonderdividende für Suez-Aktionäre, aber auch zum industriellen Projekt und den Folgen für die Beschäftigung. Die Sonderdividende ist höchst umstritten. Während mächtige Suez-Aktionäre einen Milliardennachschlag fordern, lehnt die Regierung als GdF-Mehrheitseigner eine höhere Ausschüttung strikt ab. Der Staat könne die Fusion platzen lassen, wenn die Aktionäre zu gierig seien, sagte Finanzminister Thierry Breton.

Bei der Einfädelung der Fusion durch die Regierung im Februar war eine Suez-Sonderdividende von einem Euro vereinbart worden. Sie soll den Marktwert des privaten Konzerns Suez relativ zu GdF drücken und so eine „Fusion Gleicher“ ermöglichen, die dem Staat im Gesamtkonzern eine Sperrminorität sichert. Seitdem hat sich die Suez-Aktie besser entwickelt als die GdF-Aktie.

Der Suez-Investor Eric Knight, der angeblich 15 Prozent des Kapitals hinter sich weiß, fordert die Ausschüttung von sieben bis acht Euro. Ohne kräftige Erhöhung der Sonderdividende „werden die Suez-Aktionäre nicht für die Fusion stimmen“, erklärte auch der belgische Investor Albert Frère, der acht Prozent an Suez hält. Er wird vom Kleinaktionärsverband ADAM unterstützt. Nach den Verwaltungsräten müssen die Aktionäre vor Silvester den Zusammenschluss mit Zweidrittel-Mehrheit billigen.

Nach den vom Gericht gemachten Auflagen und den Fristen der Pariser Börsenaufsicht AMF für die Prüfung des Zusammenschlusses ist die Fusion nicht mehr wie geplant bis zum 31. Dezember möglich. Das umstrittene Projekt, den führenden Gaskonzern und fünftgrößten Stromanbieter Europas zu bilden, droht damit zu einem heißen Thema im französischen Wahlkampf im Frühjahr des kommenden Jahres zu werden.

Vor einer Entscheidung 2007 müssten die Jahreszahlen 2006 der beiden Unternehmen vorliegen, die in den vergangenen Jahren Anfang März veröffentlicht wurden. Zu diesem Zeitpunkt läuft in Frankreich der Wahlkampf für die Präsidenten- und Parlamentswahl auf Hochtouren.

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