Gewerkschaften drohen mit Flächenkonflikt
Siemens-Betriebsrat fordert Kosten-Nutzen-Analyse für Standortverlagerungen

Siemens-Betriebsräte erarbeiten laut einem Bericht derzeit eine Verhandlungsstrategie gegen die Forderung nach Mehrarbeit ohne Lohnausgleich. IG-Metall-Vize Huber drohte Siemens mit einem «Flächenkonflikt».

HB BERLIN. Der Betriebsrat des Siemens-Konzerns will gegen die Pläne der Führung vorgehen, die Arbeitszeit ohne Lohnausgleich zu verlängern. Eine Projektgruppe aus verschiedenen örtlichen Betriebsratschefs soll für den Gesamtbetriebsrat eine Verhandlungsstrategie entwickeln, berichtete am Samstag das Magazin «Der Spiegel» vorab. Dabei wolle das Gremium auch die Hilfe eines externen Beratungsinstituts nutzen. Siemens-Chef Heinrich von Pierer hatte immer wieder gedroht, Standorte ins Ausland zu verlagern, wenn seitens der Arbeitnehmer keine Konzessionen gemacht würden.

Wie der «Spiegel» berichtete, verlangen die Arbeitnehmervertreter eine konkrete Kosten-Nutzen-Analyse bei möglichen Standortverlagerungen. Ihrer Meinung nach werde in der Diskussion stets unterschlagen, welche Kosten durch Betriebs-Stilllegungen, Abfindungen und Investitionen andernorts entstünden.

Zudem wolle die Projektgruppe verhindern, dass einzelne deutsche Siemensstandorte und deren Betriebsratsvorsitzende bei der Forderung nach Lohnverzicht gegeneinander ausgespielt werden. Bereits an diesem Donnerstag wolle die Projektgruppe in Erlangen zusammenkommen und erste Ergebnisse vorlegen.

Derweil warnte IG-Metall-Vize Berthold Huber den Elektronikkonzern vor einem Großkonflikt. «Wenn der Siemens-Vorstand nicht von seinem politisch überhöhten Ross steigt, droht dem Konzern eine gewaltige Auseinandersetzung», sagte Huber der Zeitung «Welt am Sonntag». «Wenn es nicht anders geht, dann führen wir auch einen Flächenkonflikt.»

Die IG Metall würde sich konkreten Vorschlägen zur Verstetigung der Beschäftigung nicht verweigern. «Der Unterschied ist aber, dass der Siemens-Vorstand das Thema zu einer politischen Agenda gemacht hat. Um einen konkreten Vorschlag zur Beschäftigungssicherung handelt es sich nicht», kritisierte Huber. Er kündigte für den 14. Mai eine Betriebsräte-Vollversammlung an und forderte den Siemens-Vorstand auf, «zeitnah seine Vorstellungen» vorzulegen.

Siemens zufolge stehen in Deutschland etwa 5000 Stellen auf dem Prüfstand, viele davon ließen sich aber mit 40-Stunden-Wochen, gewinnabhängigem Weihnachtsgeld und mehr Flexibilität erhalten, so der Konzern.

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