Gewerkschaftsboss: Der verschmähte King

Gewerkschaftsboss
Der verschmähte King

Der Chef der mächtigen Auto-Gewerkschaft UAW, Bob King, wollte die Arbeiter neuer US-Werke organisieren. Doch seine Strategie ist gescheitert. Heute gibt sich King kleinlaut und geht auf die Unternehmen zu.
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DetroitBob King hatte den Mund voll genommen. Noch im Laufe des Jahres 2011 werde das erste Werk eines ausländischen Autoherstellers im Süden der USA gewerkschaftlich organisiert sein, lautete die Ansage des 65-jährigen Präsidenten der US-Autogewerkschaft UAW im vergangenen Januar.

Zwölf Monate später muss der Funktionär sein Scheitern bekennen. „Offensichtlich habe ich mich zu weit aus dem Fenster gelehnt“, sagte King in Detroit. „Das Ziel bleibt aber 2012 ganz oben auf der Liste.“ Für die einst so mächtige Autogewerkschaft ist das eine schwere Schlappe. „Wenn es uns nicht gelingen sollte, die ausländischen Werke zu organisieren, hat die UAW langfristig keine Zukunft mehr“, mahnte King noch jüngst.

Seit Jahrzehnten leidet die UAW. Allein von 2004 bis 2010 fiel die Mitgliederzahl um 42 Prozent auf 377.000. Viele neue Stellen werden in der US-Autoindustrie vor allem von ausländischen Herstellern im Süden des Landes geschaffen, wo die UAW bisher keinen Fuß in die Werke bekommen hat. Doch seinen Plan, sich Anfang dieses Jahres einen Hersteller herauszupicken und den Druck mit einer Kampagne zu erhöhen, steckt King in die Schublade. Es hätte zu feindselig gewirkt, begründete der Gewerkschaftschef den Schwenk. Nun führe er Gespräche mit Managern aller ausländischer Firmen – mit der Ausnahme von zwei Herstellern. Namen will King aber nicht nennen.

King gibt sich im Interview kooperativ, stellt die Vorteile einer Belegschaft heraus, die „etwas zu verlieren hat“: Weder Vorstände noch Aktionäre seien so stark und so langfristig mit dem Unternehmen verbunden wie die Arbeitnehmer. Es liege also im Eigeninteresse der Hersteller, einen „fairen und demokratischen Prozess ohne Druck zuzulassen“. Die UAW sei eine gewandelte Organisation: Die Zeit der Konfrontation liege weit hinter ihr.

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