Gewinn eingebrochen
Starker Yen und Erdbeben bremsen Honda aus

Der japanische Autokonzern Honda ist durch die starke Landeswährung und das Erdbeben unter Druck geraten: Nettogewinn und Umsatz des Unternehmens sanken im zweiten Quartal deutlich.
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TokioDer teure Yen und die Bedrohung der Produktion wegen der Überschwemmungen in Thailand haben Honda zu einem drastischen Mittel greifen lassen: Der drittgrößte japanische Autobauer zog am Montag seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr bis Ende März 2012 zurück. „Um es ganz offen zu sagen, wir befinden uns an einem wirklich schwierigen Punkt“, erklärte Finanzchef Fumihiko Ike anlässlich der Vorstellung der Zahlen zum zweiten Quartal. Von der Intervention der japanischen Notenbank, um den jüngsten Höhenflug der heimischen Währung zu bremsen und damit Gefahren von der exportorientierten Wirtschaft abzubremsen, erwartet sich Ike nicht viel.

„Meine erste Reaktion war: endlich haben sie interveniert“, sagte der Honda-Finanzvorstand. „Ich bin mir aber auch bewusst, dass ein Alleingang nur begrenzt Erfolg hat.“ Er hege keine Hoffnung, dass die erzielte Abwertung des Yen von langer Dauer sei. Die Bank of Japan hat zu Wochenbeginn zum dritten Mal in diesem Jahr und zum zweiten Mal in weniger als drei Monaten am Devisenmarkt interveniert. Dem japanischen Finanzminister Jun Azumi zufolge handelte die Notenbank alleine. Japan sei aber im steten Kontakt mit seinen internationalen Partnern. Azumi begründete den Schritt damit, dass die Stärke der Landeswährung die wirtschaftliche Erholung bedrohe. Der hohe Yen macht japanische Produkte wie Elektronikgeräte oder Autos, die vor allem ins Ausland verkauft werden, teuer.

Zudem litten Japans Unternehmen in diesem Jahr unter den Folgen des Bebens im März. Honda erlitt die größten Schäden und begann erst langsam sich von den Produktionsunterbrechungen zu erholen. Nun bedrohen die Überschwemmungen in Thailand den Autobauer erneut. Große Industriegebiete sind überschwemmt - darunter ein Honda-Werk in Ayutthaya. Honda baut etwa fünf Prozent seiner Fahrzeuge dort, ein Drittel davon ist für den Export bestimmt. Auch viele Zulieferer sind von den Wassermassen bedroht und gefährden durch ausbleibende Teile nicht nur die Honda-Produktion in Thailand selbst sondern auch in Südostasien, Japan oder den USA. Auch Konkurrenten wie Toyota und Nissan greifen auf Teile aus Thailand zurück.

„Die Situation ändert sich täglich. Es ist schwierig, sich ein Bild zu machen“, sagte Ike. Die Unterbrechung könnte sich bis zum Ende des Geschäftsjahres Ende März 2012 hinziehen. Neben der Gewinnprognose zog Honda daher auch seine weltweite Absatzprognose zurück. Eigentlich wollten die Japaner dieses Geschäftsjahr 3,512 Millionen Fahrzeuge bauen und damit 270 Milliarden Yen verdienen. Im zweiten Quartal von Juli bis September sank der Betriebsgewinn um 68 Prozent auf 52,5 Milliarden Yen (rund 494 Millionen Euro). Der Umsatz sank um 16 Prozent auf 1,9 Billionen Yen.

Weitere Einblicke in die japanische Autoindustrie geben am Mittwoch Nissan und am 8. November Toyota.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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