Gewinn im ersten Quartal gesteigert
Clariant zeigt sich operativ schwach

Der Schweizer Spezialchemiekonzern Clariant hat seinen Gewinn im ersten Quartal 2005 gesteigert. Dies ist allerdings nun dank Einmaleffekten gelungen. Die operative Entwicklung fiel nach Ansicht von Analysten enttäuschend aus und das laufende Jahr könnte sich für Clariant noch als steinig erweisen.

HB ZÜRICH. Der Gewinn kletterte um 18 % auf 72 Mill. sfr, wie das Unternehmen am Dienstag weiter mitteilte. Allerdings haben sich hier niedriger als erwartet ausgefallene Restrukturierungskosten, Steuern sowie Währungsgewinne positiv ausgewirkt. Der Umsatz sank um drei Prozent auf 1,992 (Vorjahresquartal 2,045) Mrd. sfr. Der Betriebsgewinn (EBIT) inklusive Einmaleffekte und Goodwill brach um 29 % auf 110 (154) Mill. sfr ein.

Clariant bestätigte dennoch seine Jahresprognose. Demnach sollen 2005 auf vergleichbarer Basis Reingewinn, Umsatz in Lokalwährungen und die operativen Marge vor Einmaleffekten steigen. „Die Performance von Clariant im ersten Quartal ist angesichts des relativ schwachen Marktes solide ausgefallen“, wird Konzernchef Roland Lösser in der Mitteilung zitiert.

Marktexperten Schweizer Banken sind hingegen ganz anderer Meinung. Bisher habe Clariant den Spezialchemiekonkurrenten und Basler Nachbarn Ciba immer in den Schatten gestellt, doch nun falle Clariant auf das Niveau von Ciba zurück, so Sarasin-Analyst Bernd Pomrehn. Nach Pomrehns Ansicht waren hauptsächlich Währungsgewinne von 15 Mill. sfr, eine niedrigere Steuerrate und die tiefe Restrukturierungskosten von 29 Mill. sfr für den Gewinnanstieg verantwortlich. „Enttäuschend“, pflichtet ihm sein Helvea-Kollege Patrick Lambert bei.

Bis Ende 2005 will Clariant die Kostenbasis um rund 300 Mill. sfr gesenkt haben. Im ersten Quartal 2005 beliefen sich die Einsparungen auf 50 Mill. sfr. Analysten hatten mehr erwartet und vermutet, das Clariant die grössten Restrukturierungsbrocken noch bevorstehen. So sagte Finanzchef Francois Note in einer Telefonkonferenz denn auch, dass für die zweite Jahreshälfte höhere Einsparungen aus Restrukturierungen, aber auch höhere Kosten zu erwarten sein.

Für das laufende Jahr erwartet Clariant nach eigenen Angaben einen Rohstoffpreisanstieg um fünf bis sieben Prozent. Dieser Negativeffekt soll mit organischem Umsatzwachstum, weiteren Preissteigerungen und den positiven Effekten aus den in den vergangenen 18 Monaten erarbeiteten Massnahmen zur Performanceverbesserung mehr als wettgemacht werden, hiess es weiter. Nach Aussage von Pomrehn müsste Clariant dazu die Preise um drei Prozent erhöhen; eine Erwartung, die Finanzchef Note dämpfte. „Wir erwarten drei Prozent (Preiserhöhungen), aber es wird schwer, das zu erreichen“, sagte er. Es müsste aber Erhöhungen über den im ersten Quartal erzielten Prozent möglich sein.

Marktexperten geben der Spezialchemie-Branche in diesem Jahr nicht sonderlich gute Karten. Mit ihren hochpreisigen Produkten wie Lacken und Textilfärbemitteln kommen die Hersteller in diesen Nischen zunehmend durch asiatische Billigkonkurrenz in Bedrängnis. Das macht es schwer, die teilweise massiv gestiegenen Rohstoffkosten an die Kunden weiter zu geben.

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