Gewinn im Halbjahr gesteigert
RWE kann auf hohe Strompreise bauen

Der Energiekonzern RWE hat im ersten Halbjahr vor allem wegen der hohen Strompreise mehr verdient. Auf weitere Preiserhöhungen für die Privatkunden will Deutschlands größter Stromerzeuger vorerst nun aber verzichten.

HB ESSEN. „2005 wollen wir die Preise stabil halten, für 2006 ist eine Prognose aber noch nicht möglich“, sagte RWE-Vertriebsvorstand Berthold Bonekamp am Donnerstag in Essen. Haushaltskunden hatten in den vergangenen eineinhalb Jahren kräftige Preiserhöhungen verkraften müssen. Um eine Anhebung der Gaspreise noch in diesem Jahr werde RWE wegen der hohen Ölpreise aber nicht herumkommen. Wann welche Regionaltochter diesen Schritt vollziehe, sei aber noch nicht beschlossen. Der Preis für Gas ist in Deutschland an den Ölpreis gekoppelt.

Die hohen Strompreise hat RWE verteidigt. „Deutschland ist keine Insel. Steigende Strompreise sind ein europaweiter Trend, dem sich derzeit kein Strommarkt entziehen kann“, sagte Vorstandschef Harry Roels am Donnerstag bei der Vorstellung der Halbjahresbilanz in Essen. Hauptgründe seien gestiegene Brennstoffkosten sowie höhere Ausgaben für CO2-Ausstoßrechte. Wie den anderen drei großen Energiekonzernen in Deutschland - Eon, Vattenfall Europe und EnBW - bescherte das Geschäft mit Strom, Gas und Wasser auch RWE im ersten Halbjahr 2005 satte Gewinne.

Im ersten Halbjahr trieb das inländische Kraftwerksgeschäft, dessen Gewinn wegen höherer Großhandelspreise um ein Drittel zulegte, das Ergebniswachstum. In der Stromerzeugung habe RWE von hohen Großhandelspreisen profitiert, sagte Finanzvorstand Klaus Sturany. Im britischen Strom- und Gasgeschäft erlitt RWE einen Gewinneinbruch um 32 %. „Wie erwartet mussten wir hier wegen Altverträgen mit sehr niedrigen Preisen starke Belastungen durch erhöhte Brennstoffkosten hinnehmen“, sagte Sturany.

Wegen der neuen staatlichen Strommarkt-Regulierung erwartet RWE 2006 Ertragseinbußen im Netzgeschäft. Roels will aber die Auswirkungen durch weitere Kostensenkungen ausgleichen. Nach Inkrafttreten des Energiewirtschaftsgesetzes im Juli prüft die Bundesnetzagentur die Durchleitungsgebühren der Netzbetreiber.

Das Betriebsergebnis von RWE stieg im ersten Halbjahr im Vergleich zum Vorjahr um fünf Prozent auf 3,46 Mrd. €, Analysten hatten nur mit 3,39 Mrd. € gerechnet. Der Umsatz von Deutschlands zweitgrößtem Versorger verringerte sich um zwei Prozent auf 20,7 (21,1) Mrd. €. Ohne externe Einflüsse, etwa Wechselkursveränderungen, wäre er um 13 % gestiegen. Der Nettogewinn lag vor allem wegen des verbesserten Finanzergebnisses mit 1,43 Mrd. € fünf Prozent höher als ein Jahr zuvor. RWE verringerte bis Ende Juni die Nettoschulden weiter auf 11,99 Mrd. € - ein Jahr zuvor waren es noch 12,39 Milliarden.

Die Börse reagierte mit fallenden Kursen auf die Zahlen. Die Aktie notierte am Nachmittag bei 55 € 2,2 % niedriger. Analyst Volker Heck von Sal. Oppenheim bezeichnete die Gewinne aber als viel versprechend. Sein HVB-Kollege Lars Korinth sagte: „Die Zahlen waren gut, aber sie enthielten keine positiven Überraschungen. Es sieht so aus, als hätten die Investoren mehr erwartet.“ Die WestLB stufte die RWE-Aktien auf „Outperform“ von „Buy“ herunter.

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