Gewinn steigt höher als erwartet
Sartorius schaltet auf Expansion um

Für Sartorius-Chef Joachim Kreuzburg ist die Konsolidierungsphase beendet. „Wir haben jetzt wieder einen gesunden Verschuldungsgrad“, sagt der Vorstandssprecher des Göttinger Anbieters von Laborausrüstung und Messtechnik im Gespräch mit dem Handelsblatt. Von einem Höchststand von rund 130 Mill. Euro sind die Schulden auf jetzt 81 Mill. Euro abgeschmolzen. Nach Jahren des Sparens werden die Investitionen 2005 wieder auf Höhe der Abschreibungen liegen. „In China planen wir sogar einen Ausbau der Fertigung“, sagt Kreuzburg.

GÖTTINGEN. Grund für die hohen Schulden des Unternehmens mit rund 3 700 Beschäftigten und knapp 470 Mill. Euro Umsatz war der Expansionskurs von Kreuzburgs Vorgänger Utz Claassen. Der hatte, bevor er 2003 den Chefsessel beim Energiekonzern ENBW übernahm, sechs Firmen gekauft und für 60 Mill. Euro ein neues Produktionsgebäude bauen lassen – „expansive Sanierung“ nannte Claassen diesen Kurs. Als dann die Konjunktur einbrach, erwirtschaftete das 1870 von Florenz Sartorius gegründete Unternehmen nur schmale Renditen. Deshalb verordnete Nachfolger Kreuzburg eine, wie er es nennt, „expansive Konsolidierung“, zahlte aber weiter jährlich eine Dividende – aus der Substanz.

Jetzt schaltet der Sartorius-Chef auf Expansion um. Er zieht allerdings organisches Wachstum und Kooperationen Übernahmen vor. „Wir wollen keine zusätzlichen Kapazitäten kaufen.“ Analyst Marc Schwammbach von der NordLB lobt diesen Kurs: „Es wird mehr auf die Marge als auf den Umsatz geachtet.“ Die im Prime Standard notierte Aktie kletterte gestern um 1,5 Prozent auf rund 19,80 Euro, da der Gewinn im ersten Halbjahr von 11,6 auf 14,9 Mill. Euro höher als erwartet stieg.

Die besten Chancen gibt der Sartorius-Chef der Sparte Biotechnologie. Dieser größte Konzernbereich steigerte laut dem jetzt vorgelegten Zwischenbericht den Umsatz im ersten Halbjahr um 8,3 Prozent auf 121 Mill. Euro. „Die Biotechnik ist nicht konjunkturabhängig, sondern wächst durch neue Medikamente, in die jetzt investiert wird“, sagt Kreuzburg.Besonders erfolgreich ist Sartorius im Filtergeschäft. Hier gab es im ersten Halbjahr hohe Auftragseingänge bei Bruttomargen von rund 60 Prozent. Dagegen spürt Sartorius bei Anlagen zur Züchtung von Zellkulturen den härteren Wettbewerb durch neue Anbieter. Denn in der Biotechnologie hat Sartorius Konkurrenten in den USA, die wie Pall rund drei mal so groß sind wie das Göttinger Unternehmen.

Auch Analyst Schwammbach gibt der Sparte Biotechnik gute Chancen. „Die Investitionen der vergangenen Jahre zahlen sich jetzt aus.“ Die Deutsche Bank meint in einer Studie, dass die Biotechnologie weiter die Performance von Sartorius bestimmen wird.

Die Mechatronik als zweite große Sparte von Sartorius – Sartorius bietet vor allem industrielle Wägetechnik an – steigerte im ersten Halbjahr den Umsatz um 1,5 Prozent auf 112 Mill. Euro. Kreuzburg erwartet eine Konzentration der Anbieter. „Kleinere regionale Anbieter werden vom Markt verschwinden.“ Die wesentlich größere Mettler-Toledo liegt mit einem Weltmarktanteil von rund 40 Prozent vor Sartorius mit rund 30 Prozent. „Nur diese beiden bieten weltweit alles an“, sagt Kreuzburg.

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