Gewinn
Zetsche legt die Messlatte hoch

Dieter Zetsche ist mit vielen Vorschusslorbeeren zum neuen Daimler-Chrysler-Chef gekürt worden. Bei der Belegschaft dürfte die Feierstimmung aber spätestens seit der Ankündigung von massenhaften Stellenstreichungen vorbei sein. Anders bei den Aktionären: Zetsche will den Gewinn binnen kürzester Zeit in die Höhe treiben.

FRANKFURT. Zetsche strebt bereits für 2008 einen operativen Gewinn der Mercedes Car Group von 4,25 Mrd. Euro und ein Konzernergebnis von mehr als 9 Mrd. Euro an. Dies erfuhr das Handelsblatt aus der Konzernführung. Die Zahlen gehen aus der operativen Planung hervor, die der Aufsichtsrat am Freitag gegen den Widerstand der Arbeitnehmerseite beschlossen hat. 2004 hatte die Mercedes-Gruppe 1,6 Mrd. Euro Gewinn erwirtschaftet, das Ergebnis des Konzerns belief sich auf rund 5,8 Mrd. Euro. Ein Daimler-Sprecher wollte die neuen Zielvorgaben nicht kommentieren.

Zetsche übernimmt am 1. Januar den Chefsessel von Jürgen Schrempp. Um seine ehrgeizigen Gewinnziele zu verwirklichen, will Zetsche offenbar den Stellenabbau forcieren, um die Personalkosten stärker zu senken. Unternehmenskreisen zufolge sollen zusätzlich zu den bereits geplanten 8 500 Jobs weitere 6 000 Stellen bei Mercedes und etwa 2 000 Arbeitsplätze in der Nutzfahrzeugsparte wegfallen. Insgesamt streicht Daimler damit in den nächsten Jahren rund 16 000 Arbeitsplätze.

Aus Protest gegen die zusätzlichen Stellenstreichungen verweigerten die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat der operativen Planung bis 2008 ihre Zustimmung und verursachten damit einen Eklat. Der geplante Personalabbau sei „Ergebnis einer einseitigen Ausrichtung der Unternehmensführung auf die Steigerung des Shareholder-Values auf dem Rücken der Belegschaft“, kritisierte Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm.

Zetsche setzte im Aufsichtsrat seine Pläne auch gegen den Widerstand der IG-Metall-Vertreter durch. Der Stellenabbau entwickelt sich damit aber zur ersten ernsten Machtprobe zwischen Arbeitnehmern und dem neuen Konzernchef.

Bereits im Herbst hatte Zetsche als neuer Mercedes-Chef gegen den Willen des Betriebsrats die Streichung von 8 500 Stellen innerhalb von zwölf Monaten angeordnet. Der Personalabbau kostet das Unternehmen rund 950 Mill. Euro, denn Daimler-Chrysler ist an einen Beschäftigungspakt gebunden, nach dem es bis 2012 in Deutschland keine betriebsbedingten Kündigungen geben darf.

Trotz hoher Abfindungsangebote verläuft der Stellenabbau allerdings schleppend. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen akzeptierten bisher lediglich rund 2 000 Mitarbeiter die vorgelegten Angebote. Bis Ende des Jahres soll sich die Zahl noch verdoppeln, hieß es. Ursprünglich war der Autokonzern davon ausgegangen, dass ein Großteil des Stellenabbaus bis Ende des Jahres über die Bühne gebracht ist, denn am 31. Dezember fällt ein so genannter Turbozuschlag als Abfindungsbonus weg.

Zetsche versucht offenbar, das Erfolgsmodell zu kopieren, das er bei der Sanierung der US-Sparte Chrysler anwandte. Dort hatte er 26 000 Arbeitsplätze abgebaut, um das Unternehmen effizienter und produktiver zu machen. Chrysler schreibt heute wieder Gewinne.

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