Gewinneinbruch bei Ford
Die Schattenseite des US-Autowunders

Die Autobauer in den USA sind in den vergangenen Jahren stark gewachsen – und scheitern derzeit nur an der eigenen Qualität. Ford muss wegen Rückrufen die Gewinnprognose deutlich korrigieren. Auch andere haben Probleme.
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DüsseldorfNun hat es auch Ford erwischt. Nach einer Reihe von Rückrufen muss der zweitgrößte US-Autobauer seine Gewinnprognose nach unten korrigierten. Der Autobauer hatte in diesem Jahr alleine in den USA 3,9 Millionen Fahrzeuge in die Werkstätten zurück beordert und rechnet nun nur noch mit einem Ergebnis vor Steuern von sechs Milliarden Dollar, sagte Finanzchef Bob Shanks am Montag vor Investoren. Noch im Juli war das Unternehmen von sieben bis acht Milliarden Dollar ausgegangen.

„Wir verschließen die Augen nicht vor der Realität und werden das Problem proaktiv angehen,“ sagte  Ford-Chef Mark Fields, der das Amt erst Anfang Juli von seinem Vorgänger Alan Mulally übernommen hatte. Die Weltmärkte schwächeln. Russland belastet die Geschäfte mit 300 Millionen Dollar, Südamerika mit 900 Millionen Dollar. Und Europa fährt Ford mittlerweile einen Verlust von 1,2 Milliarden Dollar ein.

Vor derartigen Zahlen wirkt eine Gewinnkorrektur um mehr als eine Milliarde noch glimpflich, der US-Autobauer scheint derartige Turbulenzen verkraften zu können. Denn die Geschäfte im Heimatmarkt laufen rund. Entsprechend optimistisch ist man für das kommende Jahr: Für 2015 kalkuliert der in Dearborn ansässige Konzern mit einem Vorsteuergewinn von 8,5 bis 9,5 Milliarden Dollar. Bis 2020 will Ford rund 9,4 Millionen Fahrzeuge verkaufen, davon 3,5 Millionen in den USA. Helfen soll dabei vor allem der überabeitete Bestseller F-150. Der Pickup ist immer noch das bestverkaufte Modell der USA und wird am Ende des Jahres neu aufgelegt.

An der Wall Street werden die Hiobsbotschaften rund um die Rückrufe trotzdem nicht gut aufgenommen: Die Ford-Aktie brach im späten Handel um 7,5 Prozent ein. Denn die Nachricht zeigt: Die US-Autobauer kriegen ihre Qualitätsprobleme derzeit nicht in den Griff.

Rückrufserien beherrschen die Schlagzeilen. Allein bei Ford verursachen die technischen Probleme Kosten von einer Milliarde Dollar, so Shanks. Noch heftiger als Ford treffen die Rückrufe allerdings den größten US-Autobauer General Motors (GM). Weil die Opel-Mutter 2,6 Millionen Fahrzeuge mit defekten Zündschlössern zu spät zurückgerufen hatte, kommen auf den US-Autohersteller bereits heute Entschädigungszahlungen von mindestens 400 Millionen Dollar (297 Millionen Euro) zu. Zusätzlich hat man in der Bilanz rund 900 Millionen Dollar für künftige Kosten von Rückrufaktionen zurückgestellt. Insgesamt summieren sich die Kosten auf 2,5 Milliarden Dollar.

Das hinterlässt Spuren im Ergebnis: Im zweiten Quartal 2014 war der Konzernüberschuss von GM um 84 Prozent auf 190 Millionen Dollar eingebrochen.

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Wer von der Rückrufserie profitiert

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