Gewinneinbruch
BP profitiert von Sparsamkeit und Spekulation

BP muss im ersten Quartal zwar einen deutlichen Gewinneinbruch hinnehmen, doch der fällt kleiner aus als die Analysten angenommen hatten. Der Ölkonzern hat sich darauf eingestellt, dass der Ölpreis noch längere Zeit relativ niedrig bleiben wird und will die Kosten entsprechend senken.

LONDON. Nach einem Gewinneinbruch um fast zwei Drittel im ersten Quartal hat BP-Chef Tony Hayward einen verschärften Sparkurs ausgerufen. „Wir müssen schnell unsere Kosten auf ein Niveau drücken, das mit einem Ölpreis von 50 Dollar vereinbar ist“, schrieb er in einer E-Mail an die Belegschaft, die dem Handelsblatt vorliegt. BP stellt sich also darauf ein, dass der Ölpreis noch längere Zeit relativ niedrig bleibt. Das Quartalsergebnis fiel jedoch besser aus als von den Analysten erwartet, was der BP-Aktie gestern Auftrieb gab.

Der Reingewinn des zweitgrößten europäischen Öl- und Gaskonzerns fiel im Vergleich zum Vorjahresquartal um 64 Prozent auf 2,6 Mrd. Dollar, während sich der Umsatz auf 48 Mrd. Dollar annähernd halbierte. Hauptursache dafür war der Verfall der Öl- und Gaspreise. Der durchschnittliche Preis, den BP im ersten Quartal für ein Barrel (159 Liter) Öl erzielte, sank binnen Jahresfrist von 91 auf 41 Dollar. Dafür gelang es den Briten, anders als vielen Konkurrenten, die Produktion zu steigern. Sie wuchs im Jahresvergleich um zwei Prozent und überschritt mit 4,02 Mio. Barrel Öläquivalent am Tag erstmals seit drei Jahren wieder die Vier-Millionen-Marke.

Analysten hatten durchweg mit einem noch stärkeren Gewinneinbruch gerechnet. BP hat aber mit Ölspekulationen auf eigene Rechnung das Ergebnis aufgebessert. Ein Sprecher bestätigte, dass der Ölhandel einen höheren Ergebnisbeitrag als zuletzt geliefert habe, wollte aber keine Einzelheiten nennen.

Auch mit Sparsamkeit hielt BP den Gewinnrückgang im Rahmen. Hayward schrieb in seiner E-Mail, dass es gelungen sei, die Kosten im ersten Quartal um mehr als eine Milliarde Dollar unter das Vorjahresniveau zu drücken. Dazu hat nach Angaben eines Sprechers vor allem das von Hayward gestartete Effizienzprogramm beigetragen. Zu einem geringeren Teil habe sich auch die Entspannung der Kosten für Material und Dienstleistungen bemerkbar gemacht.

Diese von der Branche ersehnte Kostendeflation trägt dazu bei, dass BP erneut die Investitionspläne für das laufende Jahr nach unten korrigierte – von 20 bis 22 Mrd. Dollar im Februar auf jetzt unter 20 Mrd. Dollar. BP werde aber auch Projekte verschieben, sagte der Sprecher. Die Dividende bleibt hingegen unangetastet, obwohl sie einen immer größeren Teil des Cash-Flows frisst. Die Nettoverschuldung des Konzerns stieg im Laufe des Quartals um 1,7 Mrd. auf 26,7 Mrd. Dollar.

Die Quartalszahlen bestätigten den Trend der Branche. Auch die italienische Eni und die US-Ölkonzerne Conoco Phillips und Occidental Petroleum hatten trotz Gewinneinbrüchen zwischen 40 und 80 Prozent die Markterwartungen übertroffen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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