Gewinneinbruch
Chemie meidet die Farbe Rot

Die Gewinne der Chemieriesen sind drastisch eingebrochen, doch die meisten Hersteller schreiben weiterhin schwarze Zahlen. Gesunkene Rohstoffpreise, Kostensenkungen und das blühende Agrogeschäft retten BASF, Dow & Co die Bilanz. Die Aussichten der Branche bleiben dennoch trübe.

FRANKFURT. Die Chemiebranche hat sich im ersten Quartal offenbar etwas besser aus der Affäre gezogen als von vielen Branchenfachleuten erwartet. Als Folge der extrem schwachen Konjunktur sind die Gewinne gegenüber dem Vorjahr zwar drastisch eingebrochen. Die Mehrzahl der großen Hersteller verdiente jedoch etwas mehr als im vierten Quartal 2008 und konnte entgegen den Erwartungen rote Zahlen vermeiden.

Auf Basis der bisher vorliegenden Quartalszahlen sind die operativen Gewinn der Chemiekonzerne nach Berechnungen des Handelsblatts im Schnitt um rund zwei Drittel gesunken. Im eigentlichen Chemiegeschäft - ohne Erträge aus Pharma-, Öl oder Saatgut-Aktivitäten - lagen die Betriebsgewinne um mehr als 80 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Aber auch in diesem Bereich konnten die Konzerne überwiegend rote Zahlen vermeiden und damit zumindest die düsteren Erwartungen des Marktes übertreffen.

Besonders erleichtert reagierten Investoren auf einen kleinen Quartalsgewinn beim US-Konzern Dow Chemical, für den Analysten im Schnitt einen dreistelligen Fehlbetrag prognostiziert hatten. Auch der Branchenführer BASF hat die Konsensus-Schätzungen der Bankanalysten für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) um mehr als ein Viertel übertroffen. Beide Aktien legten Ende der Woche deutlich zu.

Mehrere Faktoren bescherten den Chemieriesen etwas Entlastung: Erstens trug der starke Verfall der Rohstoffkosten in einzelnen Teilbereichen zu einer leichten Verbesserung der Margen bei. Die Renditen im Petrochemie-Bereich etwa waren dadurch nicht mehr ganz so schwach wie noch im Schlussquartal 2008.

Zweitens: Die im Herbst eingeleiteten Produktionskürzungen und Kostensenkungsprogramme zeigen Wirkung. Die Lagerbestände konnten kräftig reduziert werden, was teilweise zu deutlich höheren Cash-Flows führte. Abschreibungen auf Vorratsbestände fielen wesentlich niedriger aus als im Vorquartal.

Drittens: In dem von der Konjunkturflaute bisher nicht betroffenen Geschäft mit Pflanzenschutzmitteln fallen die Erträge saisonbedingt überwiegend in den ersten beiden Quartalen eines Jahres an. Das bescherte den Großchemie-Konzernen BASF, Dow, Dupont und Bayer im ersten Quartal einen wichtigen Ausgleich zum ansonsten sehr schwachen Chemiegeschäft. Als praktisch einziges Segment der Chemiebranche zeigte das Agrogeschäft zudem einen positiven Ertragstrend, der sich bei BASF mit einem Plus von fast einem Drittel am stärksten auswirkte. Aber auch die anderen Akteure wiesen durchweg höhere Agrochemie-Erträge aus als im Vorjahr.

Seite 1:

Chemie meidet die Farbe Rot

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%