Gewinnplus trotz Dieselgate
Was hinter der „saustarken“ VW-Bilanz steckt

Der Dieselskandal, Kartellvorwürfe und ein teurer Umstieg in die Elektromobilität belasten Volkswagen. Doch an der Bilanz der Wolfsburger perlt das alles ab – auch dank des SUV-Booms. Analysten sind begeistert.
  • 0

WolfsburgVolkswagen hat im abgelaufenen Quartal glänzend verdient und hebt sogar die Gewinnprognose etwas an. Der wegen der Abgasmanipulationen viel gescholtene Wolfsburger Konzern präsentierte am Freitag dank Einsparungen und teils kräftig gestiegener Auslieferungen – etwa in Südamerika, Osteuropa und den USA – ein überraschend hohes Ergebnis. Dabei profitiert der Konzern auch vom SUV-Boom, der etwa den Absatz des Tiguan ankurbelt. VW lieferte in dem Zeitraum mit seinen Marken 2,65 Millionen Fahrzeuge aus, plus 6,3 Prozent.

Der Betriebsgewinn vor Sondereinflüssen lag im dritten Quartal bei 4,3 Milliarden Euro, 15 Prozent mehr als vor Jahresfrist. Abzüglich weiterer Rückstellungen für Dieselgate blieb operativ immer noch ein Ergebnis von 1,7 Milliarden Euro, auch das war mehr als von Experten erwartet.

Auch bei der Prognose äußerte sich VW nun optimistischer dank des guten Laufs bei den einzelnen Marken. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern solle nun im Gesamtjahr leicht über den bisher erwarteten 6 bis 7 Prozent operativer Umsatzrendite - also dem Anteil am Umsatz - liegen. „Näher an 7 Prozent als an 8 Prozent“, präzisierte Witter bei einer Telefonkonferenz. Auch dabei werden allerdings Sondereinflüsse herausgerechnet. Den Ausblick für den Umsatz bekräftigte der Konzern. Demnach sollen die Erlöse in diesem Jahr um mehr als vier Prozent zulegen.

Volkswagen ist es dabei gelungen, mit der Ausweitung seiner SUV-Palette neue Kunden anzulocken. Neuer Modelle wie der VW Atlas, der Skoda Karoq oder der Seat Ateca locken Kunden an und helfen dem Autobauer, die immer weiter steigenden Kosten des Abgasskandals und die hohen Investitionen in das autonome Fahren und die Elektromobilität zu kompensieren.

Trotz des guten Abschneidens hielt sich die Führungsspitze um Konzernchef Matthias Müller mit Euphorie zurück: „Das Ergebnis der ersten neun Monate gibt uns mit Blick auf das Gesamtjahr eine Menge Zuversicht“, sagte Finanzchef Frank Witter. „Das ist ein starkes Fundament, auf das wir aufbauen können.“ Mit einer Nettoliquidität von mehr als 25 Milliarden Euro in seinem Kerngeschäft habe der Konzern zudem ein ausreichend dickes Polster, sollten sich neue Probleme auftun.

Anleger bejubelten die Zahlen. Die VW-Aktie legte um drei Prozent zu und war damit zum Wochenausklang größter Gewinner im Leitindex Dax.

Analysten führten das Gewinnplus auf die Entscheidungen früherer Jahre zurück. „Volkswagen ist ein Unternehmen, das offenbar einen extrem langen Anlauf braucht“, sagte Marc-René Tonn vom Bankhaus M.M. Warburg. „Wir sehen nun zunehmend die Einsparungen und den Ergebnishub aus den modularen Baukästen.“ Der Konzern hatte bereits vor einigen Jahren eine Gleichteilestrategie eingeführt, von der zunehmend alle Marken profitieren. Dadurch steigt die Ertragskraft. Die lange schwächelnde Hauptmarke VW etwa verdoppelte die operative Rendite nun auf 3,8 Prozent von 1,5 Prozent vor einem Jahr.

Seite 1:

Was hinter der „saustarken“ VW-Bilanz steckt

Seite 2:

Neue Vorwürfe im Dieselskandal

Kommentare zu " Gewinnplus trotz Dieselgate: Was hinter der „saustarken“ VW-Bilanz steckt"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%