Gewinnprognose gesenkt
Chinesen vermiesen Nissan das Geschäft

Nissan hat seine Gewinnprognose für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Schuld daran seien Absatzrückgänge in Europa und Produktionsausfälle in der Volksrepublik wegen des chinesisch-japanischen Inselstreits.
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TokioWegen des Boykotts durch chinesische Kunden hat auch der japanische Autobauer Nissan seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr deutlich gesenkt. Unter dem Strich erwartet der Konzern nun noch ein Ergebnis von umgerechnet rund 3,1 Milliarden Euro - 20 Prozent weniger als bislang geschätzt. Auch die Absatzprognose wurde kassiert: Statt der bislang geschätzten 5,35 Millionen Fahrzeuge werden nun 5,08 Millionen angepeilt.

Seit Monaten boykottieren Chinesen auf ihrem Heimatmarkt japanische Marken quer durch alle Branchen. Hintergrund ist ein politischer Streit um eine Inselgruppe zwischen Japan und der Volksrepublik. Der Protest trifft Nissan aber besonders hart, weil China der wichtigste Einzelmarkt für Nissan ist: fast jedes vierte seiner Autos setzt der Konzern dort ab. Doch auch in den USA und Europa fiel Nissans Absatz schlechter aus als gedacht.

Der Konzern konnte seinen Nettogewinn im zweiten Geschäftsquartal dennoch unerwartet deutlich um knapp acht Prozent auf 106 Milliarden Yen (rund eine Milliarde Euro) steigern. Zugleich machte das Unternehmen deutlich, dass sich der Boykott in China vor allem im laufenden dritten Geschäftsquartal bemerkbar machen würden.

Der Inselstreit zwischen China und Japan belastet auch Honda . Der japanische Nissan-Rivale kappte bereits in der vergangenen Woche seine Prognose für das Nettoergebnis im laufenden Geschäftsjahr - ebenfalls um ein Fünftel auf 375 Milliarden Yen. Dagegen hob Schwergewicht Toyota seine Prognose am Montag um knapp drei Prozent an: Der VW-Rivale peilt für das Gesamtjahr jetzt einen Nettogewinn von 780 Milliarden Yen (7,6 Mrd Euro) an. Im Gegensatz zu Honda und Nissan ist Toyota weniger stark abhängig vom China-Geschäft.

Von dem Boykott japanischer Automarken können unter anderem deutsche Hersteller profitieren: So übertraf BMW mit einem Gewinnsprung im dritten Quartal die Analystenerwartungen und verwies dabei auch auf eine brummenden Nachfrage in China.

Der viertgrößte japanische Autohersteller Suzuki zog unterdessen einen Schlussstrich unter seine langjährigen Versuche, auf dem weltweit zweitgrößten Automarkt USA Fuß zu fassen. Künftig werde man dort nur noch Motorräder verkaufen, teilte Suzuki mit. Das Unternehmen hatte fast 30 Jahre lang versucht, in den USA seine Automodelle an den Mann zu bringen.

 
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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