Gewinnrückgang im Quartal
Merck bekommt von Anlegern Prügel

Der Darmstädter Pharma- und Chemiekonzern Merck hat im vergangenen Jahr Umsatz und operatives Ergebnis gesteigert. Im Schlussquartal gab es allerdings überraschend einen Gewinnrückgang im operativen Geschäft, weshalb die Aktie am Donnerstag im frühen Handel mehr als fünf Prozent verlor.

HB DARMSTADT. Wegen gestiegener Marketing- und Vertriebskosten sowie höherer Ausgaben für Forschung und Entwicklung sei das operative Ergebnis im vierten Quartal um 1,6 Prozent auf 191,7 Millionen Euro gesunken, teilte der Darmstädter Konzern mit. Analysten hatten dagegen im Schnitt mit einem 14-prozentigen Anstieg auf 222 Millionen Euro gerechnet. Mit einem Umsatzplus von 14,7 Prozent auf 1,54 Milliarden Euro übertraf Merck dagegen die Markterwartungen. Im Gesamtjahr 2005 kam Merck auf einen operativen Gewinn von 883 Millionen Euro und einen Umsatz von 5,87 Milliarden Euro.

Der erst seit Ende November amtierende Vorstandschef Michael Römer bezeichnete das vergangene Jahr, in dem am Ende ein Reingewinn in etwa auf Vorjahreshöhe von rund 660 Millionen Euro zu Buche stand, dennoch als „sehr erfolgreich“. Die Aktionäre der mehrheitlich in Familienbesitz befindlichen Gesellschaft sollen eine Dividende von 0,85 Euro je Aktie erhalten. Für das Jahr 2004 hatten sie 0,80 Euro sowie einen Bonus von 0,20 Euro je Aktie bekommen.

Für 2006 stellte Römer einen prozentual hohen einstelligen Zuwachs bei Umsatz und Nettogewinn ohne Sonderposten in Aussicht. Im Geschäft mit Nachahmermedikamenten, so genannten Generika, sei jedoch mit einem härteren Wettbewerb zu rechnen, hieß es. Alle anderen fünf Sparten sollten sich aber besser entwickeln als im Vorjahr. Merck erwarte, dass sich die positive Geschäftsentwicklung bis ins Jahr 2007 fortsetze.

Analysten senken den Daumen

Analysten sprachen von enttäuschenden Ergebniszahlen. „Auch ohne Sondermaßnahmen blieb Merck mit dem operativen Ergebnis unter meinen Erwartungen. Dies ist umso überraschender, da Merck beim Umsatz deutlich besser abgeschnitten hat“, sagte Alexander Groschke von der Landesbank Rheinland-Pflalz. Enttäuschend sei auch der Dividendenvorschlag von lediglich 85 Cent. Er habe den Eindruck, dass das Jahresergebnis bewusst gedrückt worden sei, um dem neuen Chef den Start zu erleichtern. Anleger nahmen dies dem Vorstand übel und verkauften. Nach einem Tagestief von 78,51 Euro erholte sich die im Nebenwerteindex MDax notierte Aktie aber wieder etwas und notierte bei 80,50 Euro rund drei Prozent im Minus.

Mit seinem neuen Krebsmittel Erbitux kam Merck im Schlussquartal einen Umsatz von 65 Millionen Euro. Das Mittel, das zur Behandlung von Darmkrebs bereits in 48 Ländern zugelassen ist, ist ein biotechnisch entwickelter Antikörper gegen das unkontrollierte Wachstum von Tumorzellen. Erbitux ist der erste große Hoffnungsträger aus der Krebsforschung von Merck. Die Sparte Flüssigkristalle erreichte einen Umsatz von 211 Millionen Euro, ein Plus von 53 Prozent binnen Jahresfrist. Merck profitierte insbesondere von einer starken Nachfrage nach Großbildfernsehern. Die Darmstädter sind bei diesen Kristallen, die in Flachbildfernsehern, Computerbildschirmen oder Handy-Displays zum Einsatz kommen, der Weltmarktführer.

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