Gewinnrückgang im vierten Quartal
BP klagt auf hohem Niveau

Die Serie der Gewinnrekorde in der Ölindustrie geht allmählich zu Ende. Der britische Ölkonzern BP vermerkte im vierten Quartal einen Gewinnrückgang von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch wenn eine Serie von Unfällen in Nordamerika die Produktion drückt, viele Probleme des Unternehmens sind hausgemacht.

dih LONDON. Der britische Ölkonzern BP berichtete am gestrigen Dienstag, dass der Reingewinn im vierten Quartal vier Prozent niedriger lag als noch ein Jahr zuvor. Auch wenn die Pannenserie in Nordamerika das Unternehmen in gewissem Maße zum Sonderfall macht, so weisen doch sinkende Raffineriemargen und höhere Steuern und Kosten auf Probleme hin, die die ganze Branche treffen. Etliche Analysten rechnen damit, dass auch Erzkonkurrent Royal Dutch Shell am morgigen Donnerstag einen Gewinnrückgang melden wird.

Das Ergebnis, das BP am Dienstag vorlegte, ließ einigen Spielraum für Interpretationen. Während der Reingewinn auf 6,2 Mrd. Dollar sank, sprang der für die Branche als treffendste Kennzahl geltende Gewinn zu Wiederbeschaffungskosten um 58 Prozent auf knapp sieben Mrd. Dollar. Darin enthalten sind jedoch knapp 2,5 Mrd. Dollar an Sonderposten, vor allem Einnahmen aus dem Verkauf von Beteiligungen. Damit bleibt ein bereinigter Wert von 4,5 Mrd. Dollar, der kaum noch über dem des Vorjahresquartals liegt. Analysten hatten im Durchschnitt mit 4,7 bis 4,8 Mrd. Dollar gerechnet. „Das Ergebnis des dritten Quartals hat von beträchtlichen Gewinnen aus Anteilsverkäufen und Effekten der Umstellung auf den Bilanzstandard IFRS profitiert“, gestand Vorstandschef John Browne ein.

Die Serie von Unfällen in den USA, von der tödlichen Explosion in der Raffinerie in Texas City bis zu dem Ölleck in einer Pipeline in Alaska, belastete BP sowohl direkt als auch indirekt. Das Unternehmen gab bekannt, dass es wegen der laufenden Prozesse um den Unfall in Texas weitere 400 Mill. Dollar für mögliche Schadensersatzzahlungen zurückgelegt hat. Damit steigen die Kosten für das Raffinerieunglück auf rund zwei Mrd. Dollar. Zugleich drückte der monatelange Ausfall des Ölfeldes Prudhoe Bay in Alaska wegen rostender Pipelines die Produktion. BP senkte die Schätzung für die Jahresproduktion von 4,1 bis 4,2 Mill. auf nur noch 3,95 Mill. Barrel (159-Liter-Fass) am Tag.

Beides belastete das Quartalsergebnis, doch es kommen weitere Faktoren hinzu, die auch die Ergebnisse anderer Ölkonzerne beeinträchtigen dürften. So brachen die Raffineriemargen kräftig ein, was nur teilweise durch bessere Verkaufspreise für Ölprodukte kompensiert wurde. Das Ergebnis des Raffinerie- und Vermarktungsgeschäfts sank somit um ein Fünftel auf 1,5 Mrd. Dollar. Die Raffinerien hatten in den vergangenen Quartalen ungewöhnlich gute Ergebnisse erwirtschaftet, weil nach den Wirbelstürmen in den USA im Herbst 2005 Kapazitäten ausgefallen waren.

Seite 1:

BP klagt auf hohem Niveau

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%