Gewinnsprünge
Große Airlines tun sich schwer

Europas große Luftfahrtkonzerne rechnen nicht mit weiteren Gewinnsprüngen. Denn die weiter stark steigenden Kerosinkosten stellen alle Fluglinien vor eine große Herausforderung. Die australische Fluglinie Qantas will wegen der der hohen Kerosinkosten 1 000 Arbeitsplätze in der Verwaltung abbauen.

FRANKFURT. Europas große Luftfahrtkonzerne bereiten sich nach einer zuletzt stürmischen Entwicklung auf eine Unterbrechung der Erfolgsserie im laufenden Jahr vor. Zwar gab Marktführer Air France-KLM gestern einen neuerlichen Rekordgewinn für das Geschäftsjahr 2005/06 (31. März) bekannt. Steigende Kerosinkosten trüben jedoch den Ausblick des französisch-niederländischen Konzerns. Erstmals seit der Fusion beider Gesellschaften im Mai 2004 geht Air France-KLM im laufenden Jahr nicht von deutlich steigenden Erträgen aus: Der operative Gewinn solle „mindestens auf Vorjahreshöhe gehalten werden“, teilte der Konzern gestern mit.

Tags zuvor hatte der deutsche Rivale Lufthansa seine ähnlich vorsichtige Jahresprognose bekräftigt: „Wir wollen trotz Gegenwind im Treibstoffsektor und trotz harten Wettbewerbs mindestens unser Vorjahresergebnis erreichen“, sagte Vorstandschef Wolfgang Mayrhuber auf der Hauptversammlung der Lufthansa. 2005 war der operative Gewinn des Konzerns noch um mehr als 50 Prozent auf 577 Mill. Euro in die Höhe geschnellt. Air France-KLM veröffentlichte gestern gar einen Anstieg um knapp 70 Prozent auf einen Betriebsgewinn von 936 Mill. Euro. Dabei profitierten die klassischen Airlines mit ihren globalen Flugverbindungen von einer robust wachsenden Weltwirtschaft, der fortschreitenden Globalisierung sowie der zunehmenden Deregulierung des Luftverkehrs – insbesondere in Indien und China.

Die weiter stark steigenden Kerosinkosten stellen aber für alle Fluglinien eine große Herausforderung da. Wer keine Preissicherung betreibt, findet die immer neuen Rekordwerte beim Treibstoff ungebremst in der Kostenrechnung wieder. Weil sich der Ölpreis seit vielen Monaten auf einem hohen Niveau etabliert hat, werden auch Preissicherungsmaßnahmen (Treibstoff-Hedging) zunehmend teurer.

Im abgelaufenen Jahr summierten sich die Kerosinkosten bei Air France-KLM auf 3,59 Mrd. Euro – ein Anstieg um 32 Prozent. Im laufenden Jahr dürften die Treibstoffkosten nach Einschätzung des Konzerns gar auf rund 4,4 Mrd. Euro klettern.

Einen ähnlich deutlichen Kostenanstieg befürchtet auch Lufthansa. Der Kranich-Konzern rechnet damit, dass die Kerosinkosten im laufenden Jahr (inklusive der erstmals konsolidierten Fluglinien Eurowings und Germanwings) um mehr als 20 Prozent auf 3,48 Mrd. Euro steigen werden.

Entsprechend sind viele Luftfahrtaktien in den vergangenen Wochen auf der Verliererseite gelandet. Der Börsengang der zweitgrößten deutschen Fluglinie Air Berlin klappte nur unter großen Schwierigkeiten, Air France-KLM, Lufthansa und viele andere Schwergewichte erlitten Kurseinbußen. Im Kampf gegen die steigenden Kosten setzen nahezu alle Fluggesellschaften auf Kerosinzuschläge, die inzwischen zu deutlichen Preiserhöhungen insbesondere im Langstreckenverkehr geführt haben. Lufthansa etwa berechnet seit Anfang Mai einen Zuschlag von 62 Euro je Langstrecke, bei Air France-KLM beträgt der Aufpreis derzeit 51 Euro. Analysten gehen davon aus, dass Fluggesellschaften mit diesen Aufschlägen etwa 60 Prozent der zusätzlichen Treibstoffaufwendungen auffangen können.

Das reicht nicht allen Gesellschaften, wie die jüngste Nachricht von Qantas zeigt: Die australische Fluglinie bestätigte gestern, dass sie wegen der hohen Kerosinkosten 1 000 Arbeitsplätze in der Verwaltung abbauen will. Damit fallen ein Fünftel aller Jobs in diesem Bereich weg. Das Unternehmen will mit dieser Aktion einen zweistelligen Millionenbetrag einsparen. Qantas müsse für Treibstoff im laufenden Geschäftsjahr zusätzlich eine Mrd. austral. Dollar (766 Mill. US-Dollar) aufwenden, hieß es zur Begründung. Die Airline mit dem Känguru am Heck fliegt vor allem Langstrecken und ist damit vom Anstieg der Treibstoffpreise überproportional betroffen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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