Gewinnsteigerung

Novartis profitiert von neuen Medikamenten

Trotz des Unternehmensumbaus: Der Pharmakonzern Novartis glänzt mit guten Zahlen. Grund sind neue Medikamente, die der Baseler Konzern jüngst auf den Markt gebracht hat. Ein Beteiligungsverkauf bringt zusätzlich Geld.
Update: 17.07.2014 - 13:03 Uhr Kommentieren
Novartis profitiert von Innovationen und mehr Effizienz bei bestehenden Prozessen – hier die Produktion von Impfstoffen. Quelle: dpa

Novartis profitiert von Innovationen und mehr Effizienz bei bestehenden Prozessen – hier die Produktion von Impfstoffen.

(Foto: dpa)

ZürichDer Schweizer Pharmakonzern Novartis hat dank neuer Medikamente im zweiten Quartal besser verdient. Zusätzliches Geld bringt dem Konzern der Verkauf seiner Beteiligung am deutschen Pflasterhersteller LTS Lohmann. Dieser soll nach Steuern rund 400 Millionen Dollar bringen. Käufer des Anteils von rund 43 Prozent ist die Beteiligungsgesellschaft Dievini des SAP -Großaktionärs Dietmar Hopp.

Auch Sparmaßnahmen trugen dazu bei, dass der Gewinn von Novartis im abgelaufenen Vierteljahr stärker zulegte als der Umsatz. Konzernchef Joseph Jimenez stellte noch mehr Kostensenkungen in Aussicht. Es werde allerdings keinen "großen Knall" geben, wie er am Donnerstag sagte. Vielmehr eröffne der im April auf den Weg gebrachte radikale Konzernumbau Möglichkeiten für schrittweise Einsparungen. „Das wird es uns mit der Zeit erlauben, die Kosten kontinuierlich zu senken und die Margen stetig zu steigern.“

Punkten konnte Novartis vor allem mit neueren Medikamenten. Während der Umsatz in der größten Sparte mit den verschreibungspflichtigen Medikamenten insgesamt nur leicht anzog, wuchsen die Verkaufserlöse der seit 2009 auf den Markt gebrachten Medikamente um 18 Prozent. Arzneien wie die Tablette Gilenya zur Behandlung von Multipler Sklerose, die Krebsmedikamente Afinitor und Tasigna oder neue Präparate zur Behandlung von Raucherhusten tragen inzwischen nahezu ein Drittel zum Konzernumsatz bei.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

Insgesamt steigerte Novartis den Umsatz im Zeitraum April bis Juni um zwei Prozent auf 14,6 Milliarden Dollar. Unter dem Strich standen mit 2,6 Milliarden Dollar Reingewinn drei Prozent mehr als vor einem Jahr.

Der Konzern sieht sich auf Kurs zu seinen Jahreszielen. Unter Ausschluss von Wechselkurseffekten soll der Umsatz um einen niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbetrag steigen. Der bereinigte operative Gewinn soll stärker um einen mittleren bis hohen einstelligen Betrag zulegen. Im zweiten Quartal betrug er 3,8 Milliarden Dollar, währungsbereinigt ein Plus von sechs Prozent.

Die Anleger konnte Novartis mit dem Quartalsbericht nicht überzeugen. Händler begründeten dies damit, dass positive Überraschungen ausgeblieben seien. Die Aktien verloren 1,5 Prozent auf 79,90 Franken.

Novartis legte als erster großer europäischer Pharmakonzern seine Quartalsbilanz vor. Beim US-Konkurrenten Johnson & Johnson hatten starke Geschäfte mit neuen rezeptpflichtigen Arzneien für einen unerwartet kräftigen Gewinnanstieg gesorgt. Der wie Novartis in Basel ansässige Rivale Roche will kommende Woche berichten und der deutsche Bayer-Konzern folgt am 30. Juli.

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