Gewinnziel angehoben EADS muss Start des A350 verschieben

Gute und schlechte Nachrichten zugleich für die Aktionäre von EADS: Zum einen hebt der Konzern sein Gewinnziel für 2012 an. Dafür muss die wichtigste Tochter Airbus aber den Start des neuen A350 verschieben.
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Der neue A350 macht Airbus zu Schaffen. Quelle: dpa

Der neue A350 macht Airbus zu Schaffen.

(Foto: dpa)

MünchenDer europäische Flugzeugbauer Airbus verschiebt den Start seines neuen Langstreckenjets A350 um drei Monate. Demnach soll der mit dem 787 Dreamliner von Boeing konkurrierende Flieger wegen Problemen bei der Tragflächenproduktion nun erst ab dem zweiten Halbjahr 2014 ausgeliefert werden, wie der Mutterkonzern EADS am Freitag ankündigte.

Daraus entstehe eine Belastung von 124 Millionen Euro. EADS hob nach starken Zuwächsen im ersten Halbjahr zugleich seine Gewinnprognose für 2012 an. Das Ergebnis je Aktie vor Einmalposten soll demnach nun bei rund 1,95 Euro liegen. In den ersten sechs Monaten steigerte EADS den Umsatz um 14 Prozent auf 24,9 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebit) vor Einmaleffekten schoss sogar um 89 Prozent in die Höhe auf 1,4 Milliarden Euro.

Vor kurzem hatte die EADS-Rüstungstochter Cassidian die Übernahme von 75,1 Prozent der Militäroptiksparte vom Optikkonzern Carl Zeiss besiegelt. Zeiss werde mittelfristig aus der Verteidigungstechnik aussteigen. Zum Kaufpreis machten die Firmen keine Angaben.

Cassidian bringe erstklassige Marktzugänge und die „Kraft eines weltweit führenden Unternehmens“ mit, sagte der Vorstandsvorsitzende der Carl Zeiss AG, Michael Kaschke. „Wir sind überzeugt, dass die Optronik bei Cassidian bessere Perspektiven hat als bei Carl Zeiss.“

Die Anteile sollen nach Vorlage notwendiger Zustimmungen und kartellrechtlicher Genehmigungen an Cassidian übertragen werden. Die restlichen 24,9 Prozent bleiben bei Carl Zeiss.

Die Carl Zeiss Optronics GmbH entwickelt und fertigt in Oberkochen und Wetzlar sowie im südafrikanischen Irene mit rund 780 Mitarbeitern Präzisionsprodukte für militärische und zivile Anwendungen wie Systeme für die Grenzraumüberwachung.

Das Unternehmen stellt unter anderem Wärmebildkameras, Laser-Entfernungsmesser und auch das Zielfernrohr für den Kampfpanzer Leopard 2 her.

Die Produkte werden bei der Luftwaffe, dem Heer und der Marine eingesetzt. Das Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2011 rund 160 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet.

Für Cassidian bedeute der Erwerb eine „strategische Ergänzung seines bestehenden Produktportfolios im Bereich der Sensoren“, hieß es. Beide Seiten erwarteten, dass durch das neue Unternehmen, das bei Cassidian in das Geschäftsfeld „Sensoren und elektronische Kampfführung“ integriert wird, die weltweiten Marktzugänge und die internationale Wettbewerbsfähigkeit verbessert werden. Teil der Vereinbarung sei eine Standort- und Arbeitsplatzgarantie bis 2015.

Vom Fallschirmjäger zum EADS-Chef
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"Major Tom" ist am Ziel. Thomas Enders, der ehemalige Fallschirmjäger und bisherige Airbus-Chef, übernahm im Juni die Führung des wichtigsten Luftfahrt- und Rüstungskonzerns Europas, EADS. Seine Besetzung ist keine Überraschung: Enders Karriere ist eng verknüpft mit der Geschichte des Rüstungskonzerns.

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1991 - Einstieg bei DASA

Nach Stationen als Referent im Deutschen Bundestag und im Planungsstab des Bundesverteidigungsministerium wechselt Thomas Enders zu DaimlerChrysler Aerospace (DASA). Mit einer Stabsgruppe entwickelt Enders Perspektiven für den Rüstungskonzern nach Ende des Kalten Krieges. Am Konzernsitz in München verantwortet er danach bis 1995 das Marketing des Luftfahrt- und Verteidgungsunternehmens.

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1995 - Karriere bei DASA

Wenige Jahre später beruft ihn der damalige DASA-Chef Manfred Bischoff (Foto) zum Leiter des Hauptsekretariats. Doch Enders klettert weiter auf der Karriereleiter, wird Leiter der Unternehmensentwicklung und ist 1999 maßgeblich an den Fusionsverhandlungen beteiligt, die zur Gründung der EADS führen.

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2000 - Führungsrolle bei EADS

Im Juni 2000 wird Enders zum Executive Vice President der neugebildeten European Aeronautic Defence und Space Company (EADS) ernannt. Diese war aus einer Verschmelzung der Dasa, der französischen Aérospatiale Matra und der spanischen Construcciones Aeronauticas (CASA) hervorgegangen. Innerhalb der EADS-Struktur dominierte die Sparte Zivile Flugzeuge (Airbus) gegenüber den vier weiteren Sparten Verteidigung/Zivile Systeme, Militärische Transportflugzeuge, Weltraum und Aeronautics (Eurocopter).

Enders verantwortlich für Rüstung, Raumfahrt, Hubschrauber
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2000 - Chef der EADS-Verteidigungssparte

Gleichzeitig übernimmt Enders die Führung der Sparte Verteidigung/Zivile Systeme und findet hier eine bunte Ansammlung nationaler Rüstungskonzerne vor. Anstelle der Vorgängerfirmen bildet Enders funktional gegliederte transnationale Geschäftsbereiche. Er löst den Bau von Militärflughäfen aus der Sparte Aeronautics und integriert sie in seinen Zuständigkeitsbereich. Mit der neuen Organisationsstruktur und straffen Rationalisierungsprogrammen erreicht Enders mit seiner Sparte 2005 erstmals schwarze Zahlen.

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2000 bis 2004 - Zeit für Kooperationen

Um im weltweiten Wettbewerb zu bestehen kooperiert Enders mit externen Partnern. Für den Bereich UAV (Eurohawk) vereinbart er eine Kooperation mit der Firma Northrop. 2001 vereinte er das Geschäft mit Lenkflugkörpern mit denjenigen des britischen Wettbewerbers BAE Systems und Finmeccanica in der MBDA. Im weltweiten Vergleich blieb die europäische Rüstungsbranche trotzdem unwirtschaftlich zersplittert und EADS zu stark von Deutschland und Frankreich abhängig. Enders warb schon damals für eine stärkere Hinwendung zum US-Markt.

Wirbel um EADS-Führung nach Kurssturz
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2004 - Aufstieg in die EADS-Doppelspitze

Im Dezember 2004 wird Enders von DaimlerChrysler als Co-Vorstand bei EADS nominiert. An seiner Seite agiert der damalige Airbus-Chef Noël Forgeard, dessen alleiniger Herrschaftsanspruch von deutscher Seite abgelehnt worden war. Das Duo löst Rainer Hertrich und Philippe Camus ab.

  • rtr
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1 Kommentar zu "Gewinnziel angehoben: EADS muss Start des A350 verschieben"

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  • Na super, dann wird der neue Leclerc-Panzer in Kürze auch ein tolles Zielfernrohr haben.
    Könnte das HB bitte einmal recherchieren, wie sich die Rüstungsbranche in F und in D innerhalb der letzten zehn Jahre entwickelt hat? Dann wird sich vermutlich schnell zeigen, wie nationalistisch die französische Rüstungsindustrie ist. Wir sind von Freunden umzingelt, danke Europa!

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