Gewinnziele für 2003 bekräftigt
Aventis bekräftigt Prognose

Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis bleibt standhaft und rückt nicht von seinen Gewinnzielen für das Jahr 2003 ab. Mit seinem Langzeitinsulin Lantus will Aventis noch in diesem Jahr die Umsatzschwelle von rund 500 Mill. € erreichen.

HB FRANKFURT. „Es gibt keinen wie auch immer gearteten Grund für eine Änderung des Geschäftsausblicks, den wir Ende Juli kommuniziert haben, als wir das Umsatz- und das Gewinnwachstum je Aktie bekräftigt haben“, sagte Aventis-Chef Igor Landau am Mittwoch in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Zum Ende des zweiten Quartals hatte Aventis mitgeteilt, dieses Jahr ein Gewinnwachstum je Aktie im mittleren bis oberen Bereich zwischen zehn und zwanzig Prozent erreichen zu wollen. Zudem hatte der Konzern ein hohes einstelliges Umsatzwachstum prognostiziert. Bei den geplanten Anteilsverkäufen sieht Landau Aventis im Plan.

Im vergangenen Jahr hatte Aventis einen Gewinn je Aktie von 2,62 € erwirtschaftet, ein Plus von 27 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Umsatz im Kerngeschäft erhöhte sich um 11,6 % auf 17,6 Mrd. €. Die Aventis-Aktie notierte am frühen Abend an der Pariser Börse mit 0,6 % im Plus bei rund 49 €.

Lantus soll Blockbuster werden

Landau, der eine neue Wirkstoff-Anlage zur Produktion des Langzeitinsulins Lantus in Frankfurt einweihte, sagte, das Medikament werde in diesem Jahr wohl rund 500 Mill. € an Umsatz weltweit generieren. Rund 200 Mill. € waren es im ersten Halbjahr. Das Präparat, dem der Konzern Blockbusterstatus zuspricht - also Umsätze von mehr als einer Milliarde Euro - könne Aventis umsatzstärkstes Produkt werden. Auch im nächsten Jahr erwartet der Konzern mit dem Diabetes-Mittel kräftiges Wachstum. „Ich denke nicht, dass wir eine Milliarde Euro schon im nächsten Jahr erreichen werden, aber das ist nicht vollkommen unmöglich“, sagte der Konzernchef.

Rund 260 Mill. € investiert Aventis derzeit in den Auf- und Ausbau von Anlagen für die Produktion von Lantus in Frankfurt. Dies ist nach Aventis-Angaben die größte Investition in der 140-jährigen Geschichte des Standorts Frankfurt-Höchst. Dadurch entstehen etwa 500 neue Arbeitsplätze. Derzeit wird Lantus in zwei Produktionsanlagen hergestellt. Diese reichten aus, um etwa zwei Mrd. € an Umsätzen mit Lantus zu generieren, sagte Landau. Er sei aber sicher, dass irgendwann noch eine weitere dritte Produktionsstätte benötigt werde. Wann und wo dies dann sein soll, sei noch zu früh zu sagen.

Anteilsverkäufe im Plan

Bei seinen geplanten Anteilsverkäufen sieht Landau den Konzern auf Kurs. Aventis rechne damit, innerhalb der nächsten sechs bis zwölf Monate Anteile an der schweizerischen Chemiefirma Clariant zu verkaufen. Zudem wolle Aventis wie geplant auch Anteile an der französischen Chemiefirma Rhodia bis April 2004 abgeben. „Dies sind Assets, die wir verkaufen wollen und wir wollen dies so schnell wie möglich tun, aber nicht in einer Weise, die nachteilig für die Unternehmen ist“, sagte Landau. Aventis befindet sich derzeit auch in Gesprächen, den Bereich Blutplasma-Produkte Aventis Behring an die australische CSL zu verkaufen. „Wir hoffen, dass es bis zum Jahresende einen Deal gibt“, sagte Landau. Jüngste Spekulationen um einen möglichen Zusammenschluss von Aventis und dem französischen Konkurrenten Sanofi-Synthelabo wollte Landau nicht kommentieren.

Nach den Worten des Konzernchefs gibt es zudem einige Interessenten für den Kauf des kleineren französischen Generika-Geschäftes des Konzerns. Als ein möglicher Interessent wurde in Medienberichten zuletzt der indische Generika-Hersteller Ranbaxy gennant. Ein Sprecher von Ranbaxy wollte dazu am Mittwoch keinen Kommentar abgeben.

Wie auch andere Pharmakonzerne kritisiert Aventis die geplante Gesundheitsreform in Deutschland, die unter anderem für 2004 eine Erhöhung der Herstellerrabatte auf 16 % von derzeit sechs Prozent vorsieht. Nach Einschätzung von Aventis wird die Reform den Konzern im kommenden Jahr mit rund 100 Mill. € belasten.

Merck & Co und Aventis testen kombinierten Aids-Impfstoff

Weiter wurde heute angekündigt, dass die Pharmakonzerne Merck & Co und Aventis in einer klinischen Studie an Patienten einen neuen kombinatorischen Impfstoff gegen die Immunschwächekrankheit Aids erproben wollen. Es solle geprüft werden, ob die jeweiligen Wirkstoffe der Unternehmen wirksamer seien, wenn sie gemeinsam verabreicht würden, teilten die Firmen am Mittwoch mit. Mit einem Impfstoff verbindet sich die Hoffnung, die Ausbreitung der tödlichen Immunschwäche Aids einzudämmen. Einen Impfstoff oder ein Mittel zur Heilung der Krankheit gibt es bislang nicht. Die bisherigen Medikamente lindern lediglich Symptome und wirken lebensverlängernd.

Das US-Unternehmen Merck & Co hatte 1999 mit der Erprobung von Impfstoffen gegen den HI-Virus am Menschen begonnen, der die Immunschwächekrankheit auslöst. Der gegenwärtige Wirkstoff basiert auf einem Virus, der normale Erkältungen auslöst. Er wird als Transportmittel benutzt, um ein HIV-Gen in Zellen zu schleusen und somit eine starke Immunreaktion gegen das HI-Virus auszulösen. Diesen Wirkstoff testet Merck bereits.

Die neue klinische Studie basiert auf der Annahme, dass der Merck-Wirkstoff in Kombination mit einem Mittel der französisch-deutschen Aventis eine noch stärkere Immunreaktion hervorrufen werde und somit effektiver sei. Derzeit sind etwa 30 Impfstoffe gegen Aids in verschiedenen Entwicklungsstadien. Unter anderem arbeiten der größte europäische Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline (GSK) sowie Forschungseinrichtungen in den USA, Großbritannien, Frankreich und Uganda an einem Impfstoff. Rund 20 bis 25 Mill. Menschen starben bereits an Aids, etwa 40 Mill. Menschen sind infiziert.

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