Gillette-Kauf zahlt sich aus
Procter & Gamble verdaut Milliarden-Übernahmen

Optimismus bei Procter & Gamble (P&G): Der weltweit größte Hersteller von Konsumgütern äußert sich weiterhin ausschließlich positiv zur Übernahme von Gillette. Damit der Erfolg aus eigener Kraft kommt, braucht P&G erstmal eins – Zeit.

NEW YORK. AOL und Time Warner, Daimler und Chrysler: Viele Großfusionen sind spektakulär gescheitert. Aber sind sie grundsätzlich schlecht? Der weltgrößte Konsumgüterhersteller Procter & Gamble (P&G) ist mehr denn je überzeugt, dass die 57 Mrd. Dollar teure Übernahme des Rivalen Gillette zu Mehrwert führen wird. „Die Skepsis am Finanzmarkt war zu Beginn sehr groß“, sagte Finanzvorstand Clayt Daley gestern in New York. „Inzwischen geht es eher um die Frage, welches Aufwärtspotenzial uns Gillette noch bietet.“

Der Konzern aus Cincinatti will 2008 erstmals Produkte vorstellen, die aus dem Zusammenspiel von Gillette und anderen Marken aus dem P&G-Reich entstehen. „So eine große Übernahme braucht Zeit. Wir werden aber bald zeigen, dass wir bei der Integration nicht nur Synergien heben, sondern auch auf der Umsatzseite vorankommen“, sagte Daley. Der Erfolg der Fusion werde daran gemessen, ob Gillette unter dem Dach von P&G schneller vorankommt als aus eigener Kraft.

P&G hatte den Rasier-Spezialisten Gillette 2005 übernommen und damit die Welt der Markenartikler erschüttert. Seitdem erzielt der Konzern fast 50 Prozent seines Umsatzes und mehr als die Hälfte seiner Gewinne im Bereich Schönheitspflege. Das Unternehmen hat zudem zahlreiche andere Bestseller-Produkte wie Haushaltsgeräte von Braun, Tempo-Taschentücher, Duracell-Batterien, Pampers-Windeln sowie Reinigungsmittel wie Ariel, Lenor und Meister Proper im Portfolio. P&G beschäftigt 135 000 Mitarbeiter und ist in mehr als 80 Ländern aktiv.

Die jüngsten Quartalszahlen unterstreichen den erfolgreichen Kurs des fast 70 Mrd. Dollar Umsatz schweren Konsumgüter-Riesen: Von Oktober bis Dezember 2006 hatte P&G seine Gewinne dank neuer Produkte wie dem Gillette-Rasierer Fusion deutlich steigern können. Die Erlöse kletterten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 19,7 Mrd. Dollar, der Gewinn stieg um zwölf Prozent auf 2,9 Mrd. Dollar oder 84 Cent je Aktie.

Analysten monieren zwar, dass der US-Konzern mit organischem Wachstum kaum mehr über die Marke von fünf Prozent kommt. Auf der anderen Seite zeigen sie sich von der reibungslosen Integration neuer Firmen beeindruckt. Auch die 6,5 Mrd. Euro teure Übernahme des Darmstädter Wella-Konzerns ging vergleichsweise geräuschlos über die Bühne. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Duftbereich von Wella, außerdem hat uns die Firma bei der Haarkosmetik entscheidend nach vorn gebracht“, sagte Daley. Wella wies für das Geschäftsjahr 2005/2006 (Ende Juni) einen Umsatz von 1,6 Mrd. Euro und einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 195 Mill. Euro aus. Kleinaktionäre halten noch etwa drei Prozent an Wella und sind mit dem Abfindungsangebot von 80,37 Euro pro Aktie nicht einverstanden. Der aktuelle Wella-Kurs liegt bei 88 Euro.

Laut dem Finanzdatenanbieter Thomson empfehlen derzeit 13 von 18 Analysten die P&G-Aktie zum Kauf. Die Gewinnziele seien zu konservativ gesetzt, schreibt die Investmentbank Goldman Sachs in einer Studie. Investoren könnten in den kommenden sechs Quartalen mit einem „erstklassigen Gewinnwachstum zwischen 15 und 19 Prozent“ rechnen, heißt es bei Lehman Brothers. Dabei verweisen die Analysten auf die im Zusammenhang mit Gillette stehenden Synergieeffekte sowie auf anhaltende Initiativen zur Kostensenkung. Erst zu Wochenbeginn hatte P&G bekannt gegeben, die dort bisher in Irland ansässige Hautpflege-Sparte nach Polen zu verlagern.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%