Gipfeltreffen bei Audi
Wiedeking: Zweite Reihe, ganz außen

Er macht gute Miene zum bösen Spiel. "Pudelwohl" fühle er sich, sagte Wendelin Wiedeking, als er aus seiner klimatisierten Limousine in die schwüle Hitze stieg. Er sei ein glücklicher Vorstandschef und habe einen Vertrag bis 2012, fügt Wiedeking noch hinzu und huscht an den Kameras vorbei.

INGOLSTADT. Als der Porsche-Chef am Abend zur Audi-Gala in Ingolstadt auftaucht, versucht er jeden Eindruck zu vermeiden, er stünde auf der Verliererseite. Und während Wiedekings Widersacher Christian Wulff mit Smoking und Fliege erneut "das Ende" des Machtkampfes bei Porsche ankündigt, sucht Wiedeking vor der Bühne seinen Platz.

Er findet ihn in Reihe zwei, weit außen.

Es sind die kleinen Demütigungen, die dem einst mächtigen Vorstandschef der Porsche AG an diesem Abend klarmachen sollen, dass er nicht mehr wirklich im Spiel ist. In der ersten Reihe nehmen die Platz, die sich bereits als Sieger der wochenlangen Schlammschlacht zwischen dem Stuttgarter Autobauer und Volkswagen sehen: VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch mit Gattin, sein Vorstandschef Martin Winterkorn und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff. Piëch würdigte seinen Kontrahenten mit keinem Blick.

Es braucht eine Frohnatur wie Thomas Gottschalk, um den Abend zu entkrampfen. "Ich habe noch keinen Scheich in der ersten Reihe gesehen", witzelt der bekennende Audi-Fan von der riesigen weißen Bühne - und traf damit erneut Wiedeking, dessen letzte Hoffnung ein Einstieg des Emirats Katar ist. Schenkelklopfen im VW-Lager, der Gottschalk ist halt sein Geld wert.

Und so muss Wiedeking den Abend weiter ertragen. Starpianist und "Audi-Botschafter" Lang-Lang greift in die Tasten, Chopin. Wiedeking stützt sein Kinn auf den Arm und sinkt in seinem Stuhl immer weiter zusammen. Audi fährt weiter auf. Ein Ur-Audi aus den 30er-Jahren wird vorgeführt und der legendäre Quattro, das Auto, mit dem Piëch die VW-Tochter in die Weltspitze fuhr. Immer wieder wird der Übervater auf der Großbildleinwand gezeigt, Piëch verzieht keine Miene.

Die Kanzlerin kommt. "Audi ist eine typisch deutsche Erfolgsgeschichte", ruft Angela Merkel von der Bühne - und gibt gleich noch einen Schwank von Ferdinand Piëch zum Besten. Der habe in ihrer Anfangszeit als Politiker erklärt, "dass Autobau vor allem mit Technik zu tun hat", sagt die Physikerin Merkel. Der Patriarch als Ratgeber der Kanzlerin, ein Haifischlächeln huscht über seine Miene. Die Kanzlerin hat ihn verstanden. Das Autogeschäft ist Technik, Technik - und Macht. Das weiß Wendelin Wiedeking spätestens nach diesem Abend.

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