Gläubigerausschuss
Wadan-Werften gehen an russischen Investor

Der Weg für einen Verkauf der insolventen Wadan-Werften an einen russischen Investor ist frei. Der Gläubigerausschuss hat der Veräußerung an ein Konsortium um den früheren russischen Energieminister Igor Jussufow zugestimmt.

FRANKFURT. Die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns begrüßte die Transaktion. „Wichtig war für uns vor allem die Rückmeldung vom deutsch-russischen Gipfel, um die notwendige Sicherheit zu erhalten“, erklärte Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) nach einer Sondersitzung seines Kabinetts. Am Freitag hatten Bundeskanzlerin Angela Merkel und der russische Präsident Dimitrij Medwedjew über die Zukunft der Werften gesprochen.

Im Umfeld der Gespräche verlautete, es habe eine intensive Diskussion über den Verkauf an Jussufow und dessen Sohn Witalij gegeben. Im Gläubigerausschuss sitzen Vertreter der Deutschen Bank, der KfW sowie der Landesregierung und Rückversicherer, die für Leistungen der Zulieferer geradestehen müssen. Die Wadan-Werften schulden ihren Lieferanten rund 90 Mio. Euro. Diese werden auf einen Teil des Geldes verzichten müssen.

Bereits am Freitag hatten sich Merkel und Medwedjew für eine Übernahme der Werften ausgesprochen. Dem Investor bescheinigte Merkel ein „seriöses“ Interesse. Auch Medwedjew stellte sich hinter Jussufow. Allerdings schloss der Präsident eine russische Staatsbeteiligung an den Werften aus.

Die politische Rückendeckung war nötig. Denn mit russischen Investoren hatten alle Beteiligten zuletzt schlechte Erfahrungen gemacht. Der bisherige Mehrheitseigentümer, Andrej Burlakow, wird für die Pleite der Werften mitverantwortlich gemacht. Angeblich soll Burlakow dringend benötigte Finanzmittel nicht überwiesen haben. Anfang Juni hatten die Werften daher Insolvenz beantragen müssen. Der mögliche neue Investor Jussufow will Wadan nun über eine in der Schweiz ansässige Aktiengesellschaft übernehmen. Offen ist, wer außer ihm und seinem Sohn an der Firma beteiligt ist. Auch aufgrund dieser Unsicherheit hatte Ministerpräsident Sellering auf klare Worte von Merkel und Medwedjew gehofft.

Bei der Suche nach einem Käufer hatte Insolvenzverwalter Marc Odebrecht auch deutsche Schiffsbauer angesprochen. Angesichts der schwierigen Lage hatten diese aber abgewinkt.

Vom neuen Eigentümer erhoffen sich die rund 2 500 Beschäftigten der Werften neue Aufträge. Mit der Insolvenz hatten die Kunden ihre Bestellungen storniert – offen sind nur noch zwei Fähren, die die Reederei Stena Line bestellt hatte. Allerdings wackelte auch dieser Vertrag.

Mangels Aufträgen ruht seit zwei Wochen die Arbeit an den Standorten in Wismar und Warnemünde. Beschäftigung sollen nun Bestellungen aus Russland bringen. Das Land braucht Spezialschiffe, die Wadan herstellt – etwa Transporter für Flüssiggas (LNG) oder eistaugliche Frachter für die Erschließung des Schtokman-Gasfeldes in der Barentsee. Auch zum Abtransport von Nickel aus schwer zugänglichen Regionen benötigt Russland spezielle Wasserfahrzeuge.

Trotz des neuen Eigentümers werden die Werften nicht um einen schmerzlichen Stellenabbau herumkommen. Die Mitarbeiterzahl soll um 900 auf rund 1 600 sinken.

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