Gläubigertreffen verschoben
Yukos-Chef tritt aus Protest gegen Gläubiger zurück

Der Präsident des zerschlagenen russischen Ölkonzerns Yukos, der Amerikaner Steven Theede, ist aus Protest gegen das Vorgehen des Insolvenzverwalters kurz vor einem Gläubigertreffen zurückgetreten.

HB MOSKAU. Damit ist auch die Entscheidung über die weitere Zukunft des Unternehmens, das den russischen Behörden noch 13 Mrd. Dollar an Steuerrückzahlungen schuldet, verschoben. Das Treffen wurde später am Donnerstag auf Antrag der Steuerbehörden auf den 25. Juli vertagt. Damit ist auch die Entscheidung über die weitere Zukunft des Unternehmens, das den russischen Behörden noch 13 Mrd. Dollar an Steuerrückzahlungen schuldet, verschoben.

Bei dem Treffen handele es sich um eine fingierte Veranstaltung mit dem Ziel, Yukos komplett zu ruinieren, erklärte Theede. In seinem Rücktrittsgesuch, das auf den 19. Juli datiert war, schrieb er, der Insolvenzverwaler habe in seinem Gutachten bereits festgehalten, dass eine finanzielle Restrukturierung von Yukos unmöglich sei. Die Auflösung des Unternehmens sei daher die einzige mögliche Alternative. Er kritisierte unter anderem, dass der gerichtlich eingesetzte Insolvenzverwalter Eduard Rebgun Yukos deutlich zu niedrig bewertet habe. Rebgun wies die Kritik an seinem Gutachten zurück. Der Haupteigentümer von Yukos, die Menatep Gruppe, kündigte an, bewusst keinen Vertreter zu dem Treffen in Moskau geschickt zu haben, aus Angst vor Festnahmen durch die russischen Behörden. Menatep-Chef Tim Osborne sagte Reuters in London: „Meine Erwartung ist, dass die russischen Steuerbehörden und Rosneft den Bankrott empfehlen werden.“ In einer Videoschaltung zu dem Moskauer Treffen äußerte er sich ähnlich.

Nach den russischen Steuerbehörden ist der staatliche Ölkonzern Rosneft der zweitgrößter Gläubiger von Yukos. Rosneft hatte sich nach einer erzwungenen Auktion im Jahr 2004 die Yukos-Ölproduktionsfirma Yugansk einverleibt. Der frühere Yukos-Chef Michail Chodorkowski ist vergangenes Jahr wegen Betrugs und Steuerhinterziehung zu acht Jahren Gefängnis verurteilt worden. Politische Beobachter hatten das Verfahren als politisch motiviert bezeichnet, da Chodorkowski Ambitionen auf das Präsidentenamt hatte erkennen lassen.

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