Industrie

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Glencore und Xstrata: Fusion der Rohstoff-Riesen steht vor neuen Hürden

Der einst verschwiegene Rohstoffhändler Glencore will mit dem Kauf des Bergbaukonzerns Xstrata die größte Übernahme des Jahres stemmen. Doch der Deal könnte an unzufriedenen Aktionären scheitern – mal wieder.

Ein Xstrata-Mitarbeiter bei Probe-Bohrungen: Auch die Aktionäre rechnen genau nach. Quelle: AFP
Ein Xstrata-Mitarbeiter bei Probe-Bohrungen: Auch die Aktionäre rechnen genau nach. Quelle: AFP

DüsseldorfDie rund 32 Milliarden Dollar schwere Übernahme des Bergbaukonzerns Xstrata durch den Rohstoffhändler Glencore steht offenbar vor neuen Schwierigkeiten. In der nächsten Woche sollen die Xstrata-Aktionäre über das nachgebesserte Angebot von Glencore abstimmen. Doch das Abstimmungsverfahren ist äußerst kompliziert. Manager beider Konzerne fürchten laut „Wall Street Journal“, dass der ausgeklügelte Deal scheitert – obwohl die Anteilseigner grundsätzlich ihre Zustimmung signalisiert haben.

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Die wohl größte Fusion des Jahres stand immer wieder auf der Kippe, seit der Schweizer Konzern im Februar die Offerte für den Bergbau-Riesen publik machte. Nach langen Verhandlungen hatte das Scheichtum Katar, das rund zwölf Prozent an Xstrata hält, seine Zustimmung zu einem Kompromiss signalisiert. Demnach erhöht Glencore das Tauschverhältnis der Aktien von 2,8 auf 3,05 Glencore-Anteile für jede Xstrata-Aktie.

Die Geschichte von Glencore

  • Gründung

    Marc Rich wurde 1934 als Marcell David Reich in Antwerpen geboren. 1974 gründete Rich im schweizerischen Zug seine Firma „Rich & Co.“, aus der später der Rohstoffriese Glencore hervorgeht. Das Rohstoffunternehmen konzentriert sich zunächst auf den Handel mit Eisen, Nicht-Eisen-Metallen und Erdöl.

  • Anklage in den USA

    Im Jahr 1983 wurde Marc Rich in den USA wegen Steuerhinterziehung, Falschaussage und Handel mit dem Iran angeklagt. Zu einem Prozess kam es allerdings nicht, weil Rich bereits vor der Anklageerhebung auf seine amerikanische Staatsbürgerschaft verzichtete und sich in Spanien einbürgern ließ.

  • Umstrittene Öllieferungen an Südafrika

    Indem Rich - trotz eines internationalen Embargos - das südafrikanische Apartheid-Regime zwischen 1979 und 1993 mit mehr als 400 Milliarden Barrel Öl belieferte, hielt er es an der Macht. Der Profit für Richs Firmen wird auf zwei Milliarden Dollar geschätzt.

  • Ausscheiden des Firmengründers

    Mit der Zeit war Rich als Firmenchef untragbar geworden. Er stand unter anderem jahrelang auf der Liste der „Most Wanted“ des FBI. 1993 verkaufte Rich den Großteil der Firma an seine Manager und wurde damit indirekt aus dem Unternehmen gedrängt.

  • Umbenennung

    1994 wurde die Firma vom neuen Management umbenannt. Seit dem firmiert der Rohstoffhändler unter dem Namen Glencore (Global Energy Commodity and Resources).

  • Neue Geschäftsfelder

    Bereits 1982 war das Unternehmen in die Agrarwirtschaft eingestiegen. Nach und nach wurden die Geschäftsfelder durch Akquisitionen in Produktion, Verarbeitung und Handel mit Aluminium, Aluminiomoxid, Bauxit, Eisenlegierungen, Nickel, Zink, Kupfer, Blei, Kohle, Öl und Agrarprodukten ausgeweitet.

  • Besitzverhältnisse 1993 - 2011

    Seit dem Ausscheiden von Marc Rich befand sich das Unternehmen im Besitz des Managements. Die zwölf Personen der obersten Führungsetage waren zugleich die größten Anteilseigner.

  • Börsengang

    Im Mai 2011 fand der IPO von Glencore statt. Der Börsengang in London und Hongkong brachte dem Unternehmen bis zu zwölf Milliarden Dollar ein. Damit war der IPO der größte Börsengang des Jahres 2011 sowie der größte Börsengang der London Stock Exchange aller Zeiten.

  • Beteiligungen

    Glencore hält unter anderem Anteile an dem australischen Bergbaukonzern Minara Resources (Nickel) und Century Aluminium aus den USA. Auch an Xstrata hielt Glencore jahrelang 34,5 Prozent. Seit 2007 ist Glencore auch mit dem russischen Aluminium-Konzern Rusal verwoben.

Ein weiterer Streitpunkt waren die Boni für die Führungskräfte von Xstrata. Besonders britische Anteilseigner hatten die üppigen Boni und Abfindungen für die Xstrata-Führung kritisiert. Der Kompromiss: Der Vorstandschef des Bergbaukonzerns, Mick Davis, soll nun nach sechs Monaten statt erst nach drei Jahren das Unternehmen verlassen. Glencore-Chef Ivan Glasenberg soll dann die Führung von Xstrata übernehmen.

Doch die nun gefundene Lösung birgt dem „Wall Street Journal“ zufolge Schwierigkeiten. Demnach legt der Aufsichtsrat von Xstrata den Anteilseignern drei Vorlagen zur Abstimmung vor. Die erste Abstimmung erfolgt über den Zusammenschluss zusammen mit dem Bonus-Paket für das Management. Die zweite Vorlage umfasst nur die Fusion selbst. Die dritte Vorlage wiederum bezieht sich allein auf das Bonus-Paket, ohne die Fusion.

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Dem Medienbericht zufolge ist unklar, ob die Aktionäre der Empfehlung des Verwaltungsrates folgen und sowohl für den ersten und den dritten Antrag stimmen werden. Informationen der Zeitung zufolge gibt es nach wie vor eine Reihe von größeren Aktionären, die zwar für die Fusion stimmen werden, jedoch die Bonus-Zahlungen an das Management ablehnen.

Die beiden ersten Abstimmungen erfordern eine Zustimmungsrate von 75 Prozent. Für den dritten Antrag reichen 50 Prozent Ja-Stimmen. Votieren die Aktionäre nur für die zweite Vorlage, wäre die Fusion in der geplanten Form geplatzt. Glencore hält zwar 34 Prozent an Xstrata, darf aber auf dem Aktionärstreffen nicht mit abstimmen.

Der Zusammenschluss von Glencore und Xstrata

  • Mega-Fusion in der Rohstoffbranche

    Bei einer Fusion des Rohstoffhändlers Glencore und des Bergbauunternehmens Xstrata entstünde ein Mega-Konzern, der vom Abbau von Industriemetallen und Brennstoffen bis hin zum Handel und Verkauf an den Endkunden alle Wertschöpfungsstufen abdeckt.

  • Glencore

    Das 1974 vom Schweizer Rohstoffhändler Marc Rich gegründete Unternehmen Glencore (Global Energy Commodity and Resources) gilt als weltgrößter Rohstoffhändler. Es handelt mit Metallen und Mineralien wie Aluminium, Zink, Kupfer, Nickel, Kobalt und Eisenerz, aber auch mit Rohöl, Kohle und Koks. Drittes Standbein ist der Verkauf von Agrarprodukten wie Weizen, Gerste, Zucker, Mais und Speiseöl. Glencore beschäftigt mehr als 58.000 Menschen über 30 Ländern. An Xstrata hält das Unternehmen bereits rund 34 Prozent.

  • Xstrata

    Die Wurzeln des weltweit tätigen Schweizer Bergbauunternehmens reichen bis ins Jahr 1926 zurück, als die Firma unter dem Namen Südelektra AG gegründet wurde. 1999 benannte sich das Unternehmen in Xstrata um und operiert inzwischen mit mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 20 Ländern. Im Mittelpunkt stehen der Abbau von Kohle, Kupfer, Nickel und Zink sowie Legierungen für die Stahlindustrie und Technologien für den Bergbau. Der Umsatz lag 2011 bei rund 33,9 Milliarden US-Dollar.

Neben den Aktionären beider Unternehmen müssen auch die Kartellbehörden in verschiedenen Ländern den Zusammenschluss noch absegnen. Glasenberg bietet der EU-Kartellbehörde an, auf einen Teil des Zink-Geschäfts zu verzichten. Konkret soll die Vertriebsvereinbarung mit dem Produzenten Nyrstar in Belgien beendet werden. Xstrata ist ebenfalls stark im Zink-Markt engagiert. Durch die Fusion der Konzerne mit Sitz im Schweizer Kanton Zug entstünde ein Grundgüter-Gigant, der wie kein anderer Abbau, Handel, Transport und Lagerung von Rohstoffen abdeckt.

 

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