Globale Rezession
Japan: Machtlos gegen die Welt-Krise

Japans Wirtschaft geht in die Knie. Viele einst stolze Branchen sind in ihrer Existenz bedroht. Die Krise tritt mit Verspätung ein - und trifft das Land dafür um so heftiger. Warum die Abwärtsspirale sich jetzt immer schneller dreht.

Nachdem Japan zuletzt kaum noch exportieren konnte, fällt die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nun auch als Abnehmer aus: Der Import ging im Februar um 43 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück. Weil die Krise mit Verspätung eintraf, dafür aber um so heftiger zuschlug, hatte Japan zunächst weiter kräftig importiert und seine Handelsbilanz ins Minus getrieben. Das rächt sich nun. Ein Überblick über die am stärksten betroffenen Branchen.

Japans einst so stolzer Maschinenbau ist in seiner Existenz bedroht. Im Februar gingen 84 Prozent weniger Aufträge ein als im Vorjahr, der große Anbieter Jtek hat bereits für fünf Tage die Produktion an einem wichtigen Standort ausgesetzt. Eine ungewohnte Situation, denn enorme Nachfrage, vor allem aus Asien, hatte den Firmen in den vergangenen Jahren Vollauslastung beschert. Doch die Hauptkunden in der Autobranche setzen jetzt selbst kaum noch etwas ab und haben sämtliche Expansionspläne gestrichen. Das Auftragsvolumen aus asiatischen Ländern sackte sogar um mehr als 90 Prozent ab. "Seit Oktober sind die Bestellungen in einer Weise abgestürzt, die wir noch nie gesehen haben", sagte Yoshiharu Inaba, Präsident des Roboterherstellers Fanuc.

Die Zukunft sieht nicht viel besser aus. "Wir haben für das Quartal von April bis Juni keine Hoffnung auf Besserung", sagte Kenichi Nakamura, Präsident der Japan Machine Tool Builders Association. Den einzigen positiven Trend macht er bei der Ausrüstung der chinesischen Bauindustrie aus. "Bis zur Erholung wird es noch lange dauern", sagte Nakamura.

Auch für die Zeit nach Überwindung der Krise drohen neue Gefahren - ausgerechnet von der Innovationsfreude japanischer Unternehmen. Die Autoindustrie treibt den Übergang zu Elektro- und Wasserstoffautos energisch voran. Deren Herstellung benötigt jedoch andere Werkzeugmaschinen als die Produktion von Benzinern. 60 Prozent der Aufträge der Branche kommen bisher aus der Autoindustrie. Elektroautos bestehen nur aus einem Zehntel der Teile, die ein herkömmliches Auto benötigt.

Erste Anbieter sehen den Trend jedoch schon als Chance. "Wir expandieren in Richtung Achsen für Elektromotoren oder Hohlformwerkzeugen für Lithium-Ionen-Batterien", sagte Masashiko Mori von Mori Seiki. Auch die Branche für erneuerbare Energie gilt als Ausweg. Japan baut derzeit die Windkraft aus. Der Lagerspezialist NSK berichtet von einer deutlichen Ausweitung des Umsatzanteils der noch vergleichsweise jungen Sparte. Der Textilzulieferer Nisshinbo ist derzeit dabei, sich stärker auf Ausrüstung zur Produktion von Solarzellen zu spezialisieren.

Die Maschinenbauer selbst können auch als Laborbeispiel für die Ausbreitung einer Wirtschaftskrise dienen. Sie selbst haben ihre Ausrüstungsinvestitionen stark zurückgefahren. Der Hersteller von Blechbearbeitungsmaschinen Amada beispielsweise hat Pläne für eine neue Fabrik aufgegeben. Eigentlich war hier eine Investition von rund 150 Mio. Euro geplant. Dadurch gingen den anderen Unternehmen in der Branche entsprechende Aufträge verloren - für die Maschinen, die Amada nun nicht mehr braucht.

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